Von Heinz Peter

Mit TIROS I, dem 1960 gestarteten Wettersatelliten, führten die Amerikaner den Nachweis, daß es möglich ist, von künstlichen Erdtrabanten Wolkenaufnahmen zu erhalten, die für die Wetteranalyse und -vorhersage sehr nützlich sind. In den Jahren 1960 bis 1964 wurden daraufhin acht Satelliten dieser Art gestartet; der letzte, TIROS VIII, hatte bereits das sogenannte APT-System an Bord, ein automatisches Bildübertragungs-System (Automatic Picture Transmission).

Die aufgenommenen Bilder werden hierbei langsam und auf sehr geringer Bandbreite zur Erde gefunkt, so daß schon einfache Bodengeräte mit fünf Meter langen Spiralantennen für den Empfang genügen. Ohne Aufforderung gibt sich der Satellit selbst das Startzeichen und strahlt in einer Drei-Minuten-Sendung Signale ab, aus denen gebräuchliche Bildfunkgeräte die Wolkenbilder in zehn verschiedenen Grautönen zusammensetzen. Rund 60 solcher APT-Empfangsstationen sind zur Zeit über die Erde verteilt. Auf dem Dach des Zentralamtes des Deutschen Wetterdienstes in Frankfurt wird voraussichtlich noch vor Ende dieses Jahres eine solche Station errichtet, die hier Wolkenbilder eines Gebietes von 9 Millionen Quadratkilometern registriert – es erstreckt sich von Südskandinavien bis zur nördlichen Mittelmeerküste und von der französischen Atlantikküste bis zur Tschechoslowakei. Solche regionalen Wolkenaufnahmen stehen für Wettervorhersagen und Flugwetterdienst innerhalb weniger Minuten zur Verfügung.

Der kürzlich gelungene Start des ersten Wettersatelliten einer neuen Serie, NIMBUS A, hat wegen der von ihm gelieferten scharfen Bilder in der Öffentlichkeit viel Aufsehen erregt. Die Aufnahmen sind vor allem deshalb so gut, weil NIMBUS im Gegensatz zu den TIROS-Satelliten "erdstabilisiert" ist; seine Kameras sind, ständig auf den Erdmittelpunkt gerichtet, also auf den gerade unter ihm befindlichen Teil des Globus. Dadurch erübrigt sich die Entzerrung der Aufnahmen, die bisher viel Zeit gekostet hat.

NIMBUS umfliegt die Erde nicht wie vorgesehen auf einer kreisförmigen Umlaufbahn; seine Flughöhe schwankt zwischen 400 und 950 Kilometern. Dies hat den Nachteil, daß sich die aufeinanderfolgenden Aufnahmen nicht genau überdecken. Dafür aber sind die Wolkenaufnahmen von den erdnahen Abschnitten der Kreisbahn besonders klar.

Während die TIROS-Satelliten das Wetter in niederen und mittleren Breiten überwachten – zwischen 65 Grad Nord und 65 Grad Süd – umkreist NIMBUS A mit einer um 81 Grad gegen die Äquatorebene geneigten Umlaufbahn die Erde auf einer "Polarroute". Dadurch wird es möglich, auch die Eis- und Schneeverhältnisse in den Polgebieten zu beobachten. Mit den rund 1200 täglich gelieferten Aufnahmen von 14 Erdumläufen erfaßt NIMBUS A etwa 80 Prozent des Bewölkungsfeldes. über der Erde. Das ist mehr als das Fünffache dessen, was TIROS leistete.

Auch NIMBUS A zählt noch zu den "Forschungs- und Entwicklungssatelliten"; erst die nächste Generation wetterbeobachtender Erdtrabanten soll die regulären Betriebssatelliten stellen. Sie werden im Rahmen des sogenannten TOS (TIROS Operational Satellite)-Systems eingesetzt. Hier greift man also – aus Gründen der Kostenersparnis – wieder auf den TIROS-Typ zurück, allerdings in einer verbesserten Ausführung. Das TOS-System wird vier Zwecken dienen: Es soll Unterlagen für die globale Wetteranalyse und -vorhersage liefern, außertropische Tiefdruckgebiete und tropische Wirbelstürme entdecken, zur Flugwetterberatung herangezogen werden und die großen Schnee- und Eisflächen in den polaren Gebieten überwachen.