Um ein Interview, das der Generaldirektor des Volkswagenwerkes, Professor Dr. Nordhoff, einer italienischen Zeitung gewährte, hat es in der europäischen Automobilindustrie viel Wirbel gegeben. In diesem Interview wurde Professor Nordhoff als Anhänger eines Europa-Kartells der Automobilhersteller geschildert, obwohl er bisher stets eindeutig von derartigen Plänen abgerückt ist. DIE ZEIT legte dem Chef des größten europäischen Automobilwerkes einige Fragen vor. –

DIE ZEIT: Unter der Überschrift „Ein Waffenstillstand mit Valetta“ hat die italienische Zeitung „L’Espresso“ ein Interview mit Ihnen veröffentlicht. Dieses Gespräch hat zu Spekulationen darüber geführt, ob es in naher Zukunft zu Absprachen zwischen den großen europäischen Automobilproduzenten kommen wird. Halten Sie das für möglich?

Nordhoff: Das Interview mit „L’Espresso“ ist leider entstellt wiedergegeben worden, es ist nahezu das Gegenteil von dem, was ich gesagt habe, gedruckt worden. Absprachen über Typen- oder Absatz-Politik habe ich immer abgelehnt, und ich halte sie auch in Zukunft für aussichtslos.

DIE ZEIT: Von der gesamten deutschen Automobilindustrie wird ein Kartell abgelehnt. Gäbe es nach Ihrer Meinung ancere Möglichkeiten für eine sinnvolle Zusammenarbeit der europäischen Automobilindustrie?

Nordhoff: Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten die Idee eines Kartells abgelehnt, statt dessen habe ich gelegentliche Zusammenkünfte der Leiter der europäischen Automobilfabriken vorgeschlagen, so wie ich mit den Leitern der amerikanischen Fabriken zusammenkomme. Darüber hinaus halte ich eine „Zusammenarbeit“ für unrealistisch.

DIE ZEIT: Der Generaldirektor von Daimler-Benz, Baurat Walter Hitzinger, hat in einem Vortrag in Wien angekündigt, daß auf lange Sicht gesehen nur vier große Automobilproduzenten im Europamarkt übrigbleiben werden. Vom Hause Fiat wurde verschiedentlich erklärt, daß durch den schärfer werdenden Konkurrenzkampf in Europa etwa die Hälfte der gegenwärtigen Automobilfirmen ausscheiden wird. Teilen Sie diese Ansichten?

Nordhoff: Ich würde mir diese Prognosen nicht zu eigen machen – auf eine so einfache Formel kann man dieses schwierige Problem nicht bringen. Ich bin überzeugt, daß auch kleinere Firmen bestehen können, daß also die Größe nicht das Kriterium ist.