Von PeterH. Bumm

In der ZEIT Nr. 37/38 druckten wir, als Dokument, eine Analyse der bildenden Kunst gestern und heute durch den Jenaer Kunsthistoriker Dr. Friedrich Möbius, die uns aufschlußreich erschien für eine Kunstbetrachtung, wie sie in der DDR derzeit noch immer vorherrscht. Peter H. Bumm schrieb uns die notwendige Erwiderung.

Die Frage nach dem Thema ist nur eines der gröbsten Mittel zur Bestimmung des Kunstwerkes. Ihre Beantwortung allein sagt wenig aus; dennoch ist die Frage nach dem Thema diejenige, die dem ästhetisch unempfindlichen oder ungeschulten Laien noch am leichtesten eine Beziehung zu der fremden Welt des Kunstwerkes vermittelt (immer wiederkehrende Frage vor der abstrakten Komposition: was stellt das dar?).

Besteht das Thema aus einem Stück unverzerrter, also, ohne weiteres nachvollziehbarer optischer Wirklichkeit, so wird dem Laien der Zugang zum Kunstwerk erleichtert; noch mehr trifft das zu für den Fall, daß die Erläuterung des Themas mit einer ethischen Wertung verknüpft wird. Mit „gut“ oder „böse“ kennt sich fast jeder besser aus als mit schön oder weniger schön.

Diese Art der Kunstbetrachtung, weniger die Frage nach dem Schönen klärend als Dinge erläuternd, die außerhalb der Kunst liegen und deshalb allgemeiner verständlich sind, war schon seit jeher Bildungsbürgerbrauch. Lange vor Goebbels’ Zeiten haben Provinzblätter die Ausstellungen des örtlichen Kunstvereins in der beschriebenen Weise abgehandelt, nicht ohne lobende Hervorhebung der von Serenissimus Höchstselbst gnädigst erworbenen Gemälde.

Was am Referat von Möbius verwundert, ist weniger die altmodische Argumentation als die Tatsache, daß er vor einem akademischen Forum spricht und nicht vor einer FDJ-Gruppe im Finsterwalder Kulturpalast. Sollte der Marxismus-Leninismus kein subtileres und fachgerechteres Instrumentarium für die Kunstwissenschaft entwickelt haben als die einfältige Formel: schön = gut = den Kommunismus verherrlichend, und das Ganze in möglichst naturgetreuer Wiedergabe?

In seinem Referat untersucht Möbius eine Reihe von Bildern daraufhin, ob sie von Thema und Aussage her