DIE ZEIT

Chruschtschow ausladen?

"Ich möchte sagen, daß sich unsere Methoden seit dem Kriege weitgehend denen unseres Gegners angeglichen haben. Ich meine, wir sollten nicht rücksichtsvoller als der Gegner sein, wenn es dafür keinen anderen Grund gibt als den, daß die Politik der eigenen Regierung ehrlicher ist.

Gefahr durch die gelbe Bombe

Seit drei Jahren gehört sie zum Herbst wie der Erntedanktag: die Ankündigung, daß die Rotchinesen zur Revolutionsfeier ihren ersten Kernwaffenversuch unternehmen würden.

Appell an Paris

Die Bonner Vorschläge zu einer engeren politischen Zusammenarbeit der EWG-Länder wurden in ihrer endgültigen Fassung noch nicht vom Bundeskabinett beraten.

Der Tod im Tunnel

Berliner Oktobertage 1964: Im Westen der Stadt versucht der Kanzler mit zwei Illustrierten-Autoren ins Reine zu kommen – mit dem nominellen Oppositionsführer Brandt und dem heimlichen Oppositionsführer Strauß.

Bauch, Zigarre, dunkler Anzug

Über der Szene lag ein Hauch milder Reife. Die Oktobersonne, die durch das Glasfenster drang, beleuchtete Buchsbäume, bunte Herbstblumen und Köpfe von Junghonoratioren.

Zeitspiegel

"Die Volksrepublik China zählt 700 Millionen, Formosa nur 12 Millionen Einwohner, Westdeutschland 50 Millionen gegenüber 17 Millionen Einwohner Ostdeutschlands.

Das wohltemperierte Unbehagen

Man ahnt sie schon voraus, die Gedenkartikel zum einjährigen Regierungsjubiläum Ludwig Erhards, ein wenig auf Moll gestimmt und mit viel Psychologie versetzt: Der Volkskanzler, der sich mit dem Regieren etwas schwer tut, ein politischer Amateur, dem die hartgesottenen Profis, besonders in der eigenen Partei, mit genüßlicher Bosheit Prügel zwischen die Beine werfen, ein homerischer Redner und ein Hamlet in der Entscheidung; ein Kanzler, dem ein gewaltiges Kapital in den Schoß gefallen ist: Die Opposition ist zum Mitläufer geworden, der Koalitionspartner spielt die Rolle des getreuen, wenn auch nicht immer bequemen Paladins, die eigene Partei, so oft sie auch aufmuckt, weiß letzten Endes, was sie an ihrem Ludwig Erhard hat.

Der Kongreß zieht Bilanz

Außer dem Präsidenten werden am 3. November in den USA auch eine Reihe von Gouverneuren der 50 Bundesstaaten, das ganze Repräsentantenhaus mit seinen 435 Abgeordneten und ein Drittel des Senats neu gewählt.

Pétain nach Verdun

Während General de Gaulle durch Südamerika reist, bewegt die französische Öffentlichkeit eine Frage, die für die Gaullisten immer heikel gewesen ist: Soll Marschall Pétain, im Ersten Weltkrieg der Sieger von Verdun, im Zweiten aber der Mann des Vichy-Regimes und der Gegenspieler de Gaulles, auf dem Douaumont beigesetzt werden? Weder die IV.

Aufruhr in Irland

Vor 44 Jahren wurde Irland in einen unabhängigen katholischen Süden und einen überwiegend protestantischen Norden, der beim britischen Königreich verblieb, aufgeteilt.

Das Tor ging auf

Bereits einen Tag nach der Öffnung der Passierscheinstellen durfte eine ältere Frau aus Westberlin zur Beerdigung ihrer Tochter in den Ostteil der Stadt gehen.

Waffen aus Rußland

In den nächsten Jahren wird die indische Luftwaffe mit 450 Superschall-Jägern des Typs "MIG 21" ausgerüstet. Bereits 1967 werden drei MIG-Fabriken in Indien die Serienproduktion aufnehmen.

Von ZEIT zu ZEIT

Bei der bisher größten Fluchtaktion gelangten 57 Menschen durch einen Tunnel unter der Mauer hindurch vom östlichen zum westlichen Teil Berlins.

Tod für Taximörder?

Wieder einmal fordern Abgeordnete der bürgerlichen Parteien die Todesstrafe für bestimmte Gewaltverbrechen (Taximord, Kindesentführung, Sittlichkeitsverbrechen an Kindern, Polizistenmord).

Getrübte Flitterwochen

Der Honigmond der frischvermählten Königs Konstantin von Griechenland war nicht von langer Dauer. Ein Familienkrach im eigenen Haus, mit politischem Hintergrund, zwang ihn, seine Flitterwochen zu unterbrechen.

Namen der Woche

Nguyen Khanh, südvietnamesischer Regierungschef, übernahm das Oberkommando über die Armee, nachdem der ranghöchste General, Tran Thien Khiem, auf Wunsch einer Offiziersgruppe auf einen Auslandsposten versetzt werden mußte.

FRANZ MON:: In den Schwanz gebissen

Aus einem Buch mit dem Titel "Die Meisengeige", in dem Günter Bruno Fuchs etwa 150 Nonsensgedichte zeitgenössischer deutscher Autoren versammelt und das demnächst im Carl Hanser Verlag, München, erscheinen wird.

Zum Lachen oder Weinen?

Noch nie wurden der Jugend so wenig Rechte eingeräumt", sagte er mit charmantem und schäumendem Ernst. Ich lachte ihm ins Gesicht.

Anna von Böhmen

Ihr Vater war ein kleiner Häusler gewesen, nicht wohlhabender und nicht ärmer als die anderen Häusler, arm genug also gerade, aber rechtschaffen; wenn irgendwo ein Bau hochgezogen wurde, griff der Vater nach Axt und Säge und ging hin, den Dachstuhl zu richten.

Theateralltag kritisch betrachtet:: Fidelio in Trier

Wer heute von "Provinz" sprechen will, schluckt erst einmal. Bezeichnet das Wort noch einen gültigen Begriff? Zwischen den beiden miteinander konkurrierenden Weltmächten ist doch alles, was in West- und Ostdeutschland geschieht, provinziell.

Brief aus Krähwinkel

Selber Schuld! Wer sich ins Münchner Nachtleben stürzt, kommt darin um. Ist ja rührend, daß Du endlich schreibst. Anstatt anzurufen: Vater, I have got some Problems.

Kleiner Kunstkalender

Der Lichtwarkpreis war die erste offizielle und weithin sichtbare Anerkennung für Nay und für die von ihm repräsentierte Entwicklungslinie, Die Ausstellung, die der Hamburger Kunstverein ihm damals widmete, manifestierte seinen künstlerischen Weg, von den Anfängen des einstigen Hofer-Schülers bis 1955.

Im Mittelpunkt der Rhythmus

Auf den europäischen Festspielwiesen werden die Fahnen eingerollt. Als eine der letzten holte man am Sonntagabend die rotweißrote mit dem schwarzen Bären ein: Die Berliner Festwochen 1964, die vierzehnten nach dem Kriege, sind beendet.

Zeitmosaik

An einem Freitag gab: die Warren-Kommission ihren Bericht über die Ermordung Kennedys frei, drei Tage später erhielt die Presse die Publikationserlaubnis.

Funk: Danke - Antwort auf alle Fragen

Also nein! Da wagt ein "armer Laie", ein "ungläubiges Weltkind" eine Polemik gegen die Absichten eines "einflußreichen Kirchenmannes", gegen den Wortführer einer Gruppe, die sich zum Ziel setzte, der Jugend unserer Tage religiöse Musik zu bieten, die sie versteht, die sie mitsingt, eine "Musik", die schließlich die abseits Stehenden wieder für den Gottesdienst gewinnen will.

Die Prostitution erschöpft sich

Nun scheint, wenigstens bei uns, von der Prostitution auch der letzte schäbige Glanz zu schwinden. Längst sind die Zeiten vergangen, als die Prostitution, wie im alten Babylon, in Indien und Griechenland, mit religiösen Usancen verquickt war.

Unser Kritiker sah:: DER ZEHNTE MANN

Zwei Jahre nach der deutschen Erstaufführung, die bei den Berliner Festwochen stattgefunden hat, geht dieses interessante und amüsante Stück auf Deutschland-Tournee.

Lynchjustiz und Der Stärkste ist der Beste

Ein kleiner, ambitionierter Verleih, die Neue Filmform Heiner Brauns, sorgte dankenswerterweise für die deutsche Erstaufführung eines Films, um den sich wie um keinen anderen seines Genres Legenden gerankt haben: Einundzwanzig Jahre nach seiner Entstehung taucht jetzt William A.

Fernsehen: Das Eiserne Kreuz, die Zigarette und das Notizbuch

Das skandinavische Exil schärfte den Blick. Den Gegensatz zwischen der Stille der Sunde und den Schreien aus ihren Lagern notierend, suchte Brecht sich mit Hilfe von Augenzeugenberichten und Zeitungsnotizen ein Bild von jener Alltagsrealität des "Dritten Reiches" zu machen, die er beschreiben und verändern wollte.

Auf dem deutschen Historikertag in Berlin treten diese Woche die Hamburger Professoren Fritz Fischer und Egmont Zechlin zu einem Streitgespräch an. Ihr Thema: Deutschlands Kriegsziele im Ersten Weltkrieg. Zechlin stellt Fischers Thesen vom "Griff zur Weltmacht" in Frage. Im folgenden Artikel entwickelt er seine Auffassung.: Ein Sprung ins Dunkle?

Zwei Wochen vor dem Attentat in Sarajewo, am 16. Juni, erhielt der deutsche Botschafter in London, Fürst Lichnowsky, vom Reichskanzler Bethmann Hollweg die Anweisung, mit dem britischen Außenminister über die Frage des europäischen Friedens zu sprechen.

Nachschrift zur Wagner-Diskussion

Nachdem der Wagner-Diskussion in der ZEIT einige Passagen aus dem Vortrag "Wagners Aktualität" vorangestellt waren, den ich im vergangenen Jahr bei den Berliner Festwochen hielt und der nun in einem Bayreuther Programmheft steht; und nachdem die Diskussion in weitem Maß, zustimmend oder kritisch, an jene Thesen und das von mir zu Wagner Gedachte anknüpfte, ist es vielleicht nicht ungebührlich, wenn ich zu der Kontroverse einiges Abschließende zu sagen versuche und zugleich meine eigene Position einigermaßen klarstelle.

Im Nichts meiner Tage

Die Zahl der von Marcel Proust geschriebenen Briefe läßt sich weder ahnen noch schätzen, und ebensowenig steht, zweiundvierzig Jahre nach seinem Tode, der Kreis ihrer Empfänger hinlänglich fest.

Versuch über Wagner

Den Grundsatz, ein Buch müsse, nachdem es einmal vom Autor sich abgelöst hat, ohne dessen Hilfe auf eigenen Füßen stehen, darf vielleicht durchbrechen, wer zur Publikation eines nur geringfügig geänderten Textes nach fünfzehn Jahren sich entschließt.

Balance-Akt im totalitären Staat

am Zeug flicken oder blind Weihrauch spenden. Beides wäre ungerecht. Er ist nicht das vollkommene Kunstwerk, und er ist dennoch ein Buch, das größte Beachtung verdient.

Ausflüge - aber niemand hat einen Nutzen davon

Wen es heutzutage nach schneller Information über die verschiedenen literarischen Moden nicht nur innerhalb seines Sprachbereichs drängt, der braucht lediglich aus der Schwemme von Anthologien jene herauszufinden, die seinen Absichten entsprechen.

Kritische Annalen von Walter Jens:: Eine andere literarische Welt

Die bottle-parties der ersten Nachkriegsjahre, bei denen die Flasche aus einem Holzklotz bestand, den jedermann mitbringen mußte, und die Intellektuellen-Feten von heute haben eines gemeinsam: im Verlauf der Nacht kommt der Moment, in dem man darangeht, eine literarische Zeitschrift zu gründen.

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