Von Hellmuth Karasek

Die Uraufführung des jüngsten Walser-Stückes in Stuttgart gab uns willkommenen Anlaß zu einer analytischen Betrachtung des Dramatikers Walser. Besonders geeignet für eine solche Analyse erschien uns der zuständige Dramaturg des Stuttgarter Theaters, Hellmuth Karasek. Im übrigen ist von der Stuttgarter Premiere zu melden: anhaltender, wenn auch nicht frenetischer Beifall; keine bösen Buh-Rufe. Nicht ganz so beeindruckt war die Theaterkritik.

„In der Anlage ist es das erste Bühnenwerk Walsers, das mehr ist als eine interessante Talentprobe. Es ist ein unausweichliches Thema in einem neuen Griff.“

Clara Menck in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

„Der Zuschauer bleibt am Ende ratlos. Er sieht ein Spiel, mit dem er realistisch nicht rechten kann, weil es, reale Begebenheiten andeutend, sich doch einer nachrechenbaren Wirklichkeit immer wieder entzieht.“

Friedrich Luft in Die Welt

„Ein Drama, das viel – meiner Meinung nach allzuviel – Konstruktionsbemühung verrät und deshalb als Theaterstück von einer erzwungenen, zwanghaften Konsequenz und Abrundung zeugt ... Die Stärke dieses mißlungenen Theaterstückes liegt anderswo. Nicht Gefühle, Vorgänge, Schicksalsentwicklungen vermag Walser in Wortleibhaftigkeit zu übersetzen – wohl aber Attitüden, Auswege, falsche Reue. Dinge, die der Inhalt eines grandiosen Essays sein könnten, gewinnen, wenn Walser sie dialogisierend niederschreibt, wenn er sie in den Ozean seiner Metaphern versenkt, plötzlich eine erhabene Konkretion.“