I. Die Kampagne

Vor dem Film kamen die Gerüchte und das Gerede. Von einem neuen „Sex-Schocker“ wurde gemunkelt, die Kirchen schlugen Alarm, die Öffentlichkeit regte sich auf.

In Berlin beschloß die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, „alles, was rechtlich möglich ist, zu tun, um die Aufführung des Films zu verhindern

Oberkirchenrat Hermann Gerber, der zugab, den Film nicht zu kennen, setzte im Evangelischen Filmbeobachter die Freiwillige Selbstkontrolle unter Druck. Er hielt es erklärlicherweise für „durchaus möglich, daß der Film von der FSK nicht freigegeben oder doch so wesentlich beschnitten wird, daß berechtigte Anstöße entfallen. Die Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit über die Freigabepraxis der FSK wird dabei nicht ohne Einfluß auf die Prüfung sein“.

Beide Kirchen drohten mit ihrem Austritt aus der Freiwilligen Selbstkontrolle.

Der Verleih gab bekannt, man werde Schnitte bis zu fünfzehn Prozent hinnehmen und den Film auch dann noch in die Kinos bringen. Ihm ging es um das Geschäft. Er ersetzte angeblich anstößige Einstellungen durch andere, die in der um 38 Meter gekürzten schwedischen Fassung nicht enthalten sind, also aus Sjömans Schnittresten stammen müssen, und den angeblich „unübersetzbar unflätigen“ Originaldialog durch einen zahmeren. Auch der Auftritt des Pfarrers wurde, als nette Zugabe, gekürzt und beschönigt.

So verunstaltet, kam „491“ der FSK zwischen die Scheren.