Alexej Adschubej: Wir sahen Westdeutschland; List Verlag, München; 126 S., 2,40 DM

Der Verlag hat (unverdientes) Pech gehabt. An dem Tage, an dem dieses Büchlein erschien, wurde Adschubejs Schwiegervater gestürzt. Damit verblaßt auch der Name Adschubej. Wird sein Bericht über seine westdeutsche Reise damit bedeutungslos? Oder wird er eines Tages als eines der Anzeichen dafür gelten, daß Ost und West begannen, einander kennenzulernen? Das vermag heute niemand zu sagen. Aber auf jeden Fall liest sich der Bericht gut, und wir Westdeutschen können zwar kaum etwas Neues über uns, wohl aber viel darüber erfahren, wie uns ein intelligenter und selbstbewußter Bolschewik sieht. Und nicht nur einer sieht uns so wie er: als leidlich, nicht ganz vernünftige, wirtschaftlich ziemlich erfolgreiche, aber politisch und gesellschaftlich rückständige Wesen, Adschubejs Bericht ist in Rußland weitverbreitet und viel besprochen worden. So wie er sehen uns Millionen. H. G.