De Gaulle und Adenauer, Araber und Israelis – alle sind mit Bonn unzufrieden

Das Kabinett Erhard mußte eine schwere Woche überstehen. Von allen Seiten wurde die Bundesregierung attackiert und unter Druck gesetzt – am meisten jedoch von de Gaulle und von Altbundeskanzler Adenauer.

Die Attacke de Gaulles

In Bonn diskutierte man noch über de Gaulles EWG-Ultimatum, da setzte der französische Staatschef schon zur nächsten Attacke an. Die Pariser Zeitung Le Monde meldete aus gut unterrichteter Quelle, de Gaulle erwäge nicht nur einen Austritt aus der EWG, sondern auch aus der NATO. Aus Washington wurde berichtet, Frankreich habe im State Department gegen eine Beteiligung der Bundesrepublik an der multilateralen Atomstreitmacht (MLF) protestiert. Zwar stellte es sich heraus, daß dieser Protest keine förmliche Demarche war, unzweifelhaft aber ist, daß de Gaulle "die stärksten Bedenken gegen die MLF im allgemeinen und gegen eine deutsche Beteiligung im besonderen" hat.

Solange de Gaulle die Aussichten auf eine Verwirklichung der MLF-Pläne noch gering einschätzte, nahm er die Bonner Begeisterung dafür nicht ernst, nachdem sich jetzt auch England zur MLF zu bekehren scheint, schießt er quer. In Bonn schwankt die Stimmung zwischen Gereiztheit und Resignation.

Bundespressechef von Hase versuchte die Erregten zu beschwichtigen: "Die Lage ist unverändert. Wir (Paris und Bonn) stimmen darin überein, daß wir nicht übereinstimmen." Im übrigen habe die französische Regierung stets betont, daß sie die deutschen Gründe für die Teilnahme an der MLF respektiere. Gerade dies scheint nicht mehr sicher zu sein. Korrespondenten melden aus Paris: "De Gaulle ist entschlossen, die Teilnahme der Bundesrepublik an der MLF zu verhindern und Bonn vor die Wahl zwischen atlantischer Integration und europäischer Zusammenarbeit zu stellen."

Adenauer schießt quer