Wolfgang Scheel: Das "Berliner Politische Wochenblatt" und die politische und soziale Revolution in Frankreich und England, Göttinger Bausteine zur Geschichtswissenschaft, Band 36; Musterschmidt-Verlag, Göttingen: 204 S., 24,80 DM.

Diese Untersuchung, die in einer von renommierten Historikern herausgegebenen Reihe erschien, zeichnet sich aus durch analytisch-kritisches Aufarbeiten umfangreichen Quellenmaterials. Ihre Ergebnisse dürften für die Erkenntnis bestimmter Problemzusammenhänge des deutsch-preußischen Konservatismus im 19. Jahrhundert bedeutsam sein.

Nach einer zeitungsgeschichtlich interessanten Analyse des von 1831 bis 1841 erschienenen "Berliner Politischen Wochenblattes" versucht der Verfasser, im Spiegel dieser einflußreichen Zeitschrift die antirevolutionären Doktrinen einer den katholischen Traditionalisten in Frankreich verwandten Geisteshaltung herauszukristallisieren. Er verfolgt dabei eine Entwicklung, die im Bruch mit der Tradition des aufgeklärten absolutistischen Staates friderizianischer Prägung und in kämpferischer Ablehnung der französischen Revolutionsbestrebungen schließlich zum Bündnis von Königtum und Kirche, von "Thron und Altar" führte.

Daß Karl Marx sich in den vierziger Jahren wiederholt auf das Wochenblatt und seine Autoren – unter anderem Joseph Maria von Radowitz, Carl Ernst Jarcke, Georg Phillips und die Gebrüder Leopold und Ludwig Gerlach – als einen seiner politischen und ideologischen Gegenpole bezog, kennzeichnet die Bedeutung dieser Zeitschrift für die geistige und politisch-agitatorische Auseinandersetzung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Preußen. M. K.