Von Peter Grubbe

William Bradford Huie: Der Hiroshima-Pilot; Zsolnay Verlag, Wien; 278 S., 19,80 DM.

Am 20. März 1957 wird in Fort Worth in Texas ein Held entdeckt. Ein Held des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Mann, der am 6. August 1945 auf Hiroshima die erste Atombombe der Welt warf, aber der inzwischen diese Tat bereut, so bitter bereut, daß er keinen Frieden mehr findet, und der schließlich Straftaten begeht, nur um von irdischen Gerichten bestraft zu werden.

Sein Name ist Claude Eatherley. Er war Major der amerikanischen Luftwaffe und Pilot eines Langstreckenbombers. Im Sommer 1945 war er zusammen mit zwölf anderen Bomberpiloten in Tinian, einer Insel auf den Marianen, stationiert. Die dreizehn dort zusammengezogenen Bomber waren ausersehen, Atombomben auf Japan abzuwerfen, um die Japaner zur Kapitulation zu zwingen.

Am 6. August 1945 ist die Einsatzstur.de gekommen. Die Bomber starten. Major Claude Eatherley fliegt in seiner schweren B 29, die er selber auf den Namen "Straight Flush" getauf: hat. nach Hiroshima. Um viertel nach acht Uhr morgens löst er die Bombe aus, die erste Atombombe der Welt. Er trifft gut; die Stadt wird zerstört; hunderttausend Menschen kommen ums Leben. Für seine Leistung erhält er einen der höchsten amerikanischen Orden, nämlich das Militärkreuz für besondere Verdienste. Acht Tage nach Abwurf der Bombe ist der Krieg zu Ende.

Dann gerät Claude Eatherley in Vergessenheit. Schon nach wenigen Monaten erinnert sich kaum noch jemand an seinen Namen. Nur er selber kann nicht vergessen. Die Vorstellung der getöteten Menschen, vor allem der ums Leben gekommenen Kinder, läßt ihn nicht los. Sie verfolgt ihn im Schlaf, sie zerstört seine Ehe. Schweißgebadet erwacht er in der Nacht mit dem Schrei: "Aussteigen!" oder "Rettet die Kinder!" Seine Ehe wird geschieden. Er verläßt seine Stellung, wechselt seinen Beruf, wandert von Stadt zu Stadt, immer auf der Suche nach Vergessen oder nach Sühne.

Nach einiger Zeit beginnt er, Schecks und Unterschriften zu fälschen, verübt Einbrüche und Raubüberfälle. Und jetzt erreicht er sein Ziel. Er kommt vor den irdischen Richter. Aber der Richter schickt ihn nicht ins Gefängnis, sondern in ein Hospital für Kriegsveteranen, wo man ihn wegen Neurose behandelt. Nach einer Weile wird er entlassen, oder er flüchtet und wird von neuem straffällig. Bis ein unbekannter Lokalreporter ihn im März 1957 auf der Anklagebank des Strafgerichts von Fort Worth findet und entdeckt, daß der wegen eines Raubüberfalls Angeklagte einer der Helden des Zweiten Weltkriegs, nämlich der Pilot von Hiroshima, ist.