Vom Fenster, seines Palastes am Nilufer hatte Präsident Abbud beobachtet, wie seine Truppen in die Demonstranten feuerten. Die Demonstranten hatten versucht, den Palast zu erreichen, um Abbud eine Petition zu übergeben – die Bitte um Wiedereinsetzung einer demokratischen Regierung im Süden. Zwölf Demonstranten wurden vor den Toren des Palastes getötet, Dutzende verwundet. Schon 16 Stunden später aber erfüllte Abbud die Forderungen der Rebellen. In der Zwischenzeit war die Armee schwankend geworden und unterstützte Abbud nicht mehr bedingungslos.

Abbud residiert zwar weiter in seinem Palast und ist Staatsoberhaupt geblieben, das politisch ungleich wichtige Amt des Ministerpräsidenten jedoch, mußte er abgeben. Eine neue Regierung, ausnahmslos aus Zivilisten bestehend, hat die Militärdiktatur abgelöst. Die Parteien werden wieder zugelassen, spätestens bis zum März nächsten Jahres soll ein neues Parlament gewählt werden.

In den sechs Jahren seiner Herrschaft hatte Abbud mit den üblichen drakonischen Mitteln einer Militärdiktatur für Ordnung gesorgt. Politische Gegner wanderten, wenn sie zu gefährlich waren, ins Gefängnis; die Presse wurde zensiert. Besonders unbeliebt war seine Regierung im Süden des Landes: Die dort wohnenden drei Millionen Neger (40 Prozent der Gesamtbevölkerung) waren den islamischarabischen Herren im Norden nie sehr gewogen. Sie fühlten sich unter Kolonialherrschaft. Ihre Versuche, mehr Einfluß in der Regierung oder gar eine gewisse Autonomie zu erreichen, wurden von der Armee mit brutaler Gewalt erstickt.

In der neuen Regierung von Khartum sitzt eine bunte Mischung ehemaliger Oppositioneller: Vertreter der alten politischen Parteien, Gewerkschaftler, einige Kommunisten und auch Männer aus dem schwarzen Süden (die allerdings dort als zu gemäßigt gelten). Der neue Ministerpräsident El-Khalifa gilt als Bewunderer Nassers.