Ludwig Freund: Zum Verständnis des amerikanischen Menschentyps. Holzner Verlag, Würzburg 1964; 74 Seiten, 5,80 DM.

Nach seinem umfangreichen Werk über die Freiheit und Unfreiheit, im Atomzeitalter (Vergleiche DIE ZEIT vom 27. März 1964), legt der wieder in Deutschland lebende Autor eine kurzgefaßte Untersuchung über den amerikanischen Charakter vor, die er als Vorstudie zu einem kommenden großen Werk über amerikanisches Leben bezeichnet. Man darf ihr nach dem vorliegenden Text des einführenden Bändchens mit großen Erwartungen entgegensehen. Seit 1945 beschäftigt die Deutschen die Frage, wer und was denn die Amerikaner tatsächlich seien. Freund bemüht sich um eine neue, differenzierte Deutung, er darf dabei für sich den Vorteil buchen, beide Welten, diesseits und jenseits des Atlantik, zu kennen. Er sucht die Profile der vielgenannten amerikanischen Öffentlichkeit, die zwischen nachwirkenden Kriegsparolen und Selbstbesinnung, zwischen Geist und Nutzen sich orientiert. Jeder Verallgemeinerung abhold geht seine Analyse tiefer als das meiste, was uns seit Jahr und Tag berichtet wird. Wenn manche Beziehungen zwischen Persönlichkeitsstruktur, sozialer Realität und Geschichte in dem vorliegenden schmalen Band auch nur angedeutet werden können, so wird doch bereits in dieser, dem Hauptwerk vorgeschickten Analyse deutlich, daß hier eine Arbeit wächst, die die späte und reife Frucht einer Emigration darstellt, die als politisches Ereignis persönliches und deutsches Schicksal war und die offensichtlich zu einer bedeutenden wissenschaftlichen Lebensleistung heranreift, die man dankbar sich in die Hände legen lassen sollte. Lutz Köllner