Unbedingt gehört der "Prado in Madrid" in die anspruchsvollste, am besten ausgestattete und teuerste der Museumsbuchreihen, die unter dem Titel "Malerei der Welt" bei M. DuMont Schauberg erscheint. Dabei wird der Prado in Hinblick auf Vielseitigkeit und systematischen Aufbau von jedem mittleren Museum übertroffen. Er präsentiert sich auch heute noch als das, was er einmal war: eine Familiensammlung, die Privatkollektion der spanischen Habsburger.

Die Schwerpunkte liegen bei den Malern, die sie besonders liebten und die darum überreich und glanzvoll vertreten sind. Nirgends kann man Bosch, den Favoriten Philipps II., so gut studieren wie in Madrid ("Der Garten der Lüste" ist in fünf aufklappbaren Farbtafeln reproduziert). Fast alle großen Gemälde von Velazquez ungefähr fünfzig, befinden sich im Prado, Goya ist mit über hundert Bildern vertreten. Im Auftrag von Philipp IV., dem größten Kunstsammler der europäischen Geschichte, hat Velazquez in Italien Venezianer gekauft, daher der Reichtum an Werken von Tizian und Tintoretto. Greco, auch die mittelalterlichen Spanier und natürlich die frühen Niederländer wären weiter zu erwähnen. Dafür fehlen viele große Namen und ganze europäische Kunstprovinzen.

Der Prado ist kein Allerweltsmuseum, eher ein Museum für Künstler. So interpretiert ihn sein Direktor F. J. Sanchez Canton. Im Vorwort schreibt er: "Wieviel verdanken Impressionismus, Expressionismus und Surrealismus dem Prado!" Den umfangreichen Textteil mit Bilderkommentaren und die Auswahl der Bilder übernahm Harry B. Wehrle, der frühere Direktor des Metropolitan Museum (211 S. mit 58 Werktafeln und 78 Schwarzweißabbildungen; 86,– DM).

Gottfried Sello