Von Bernd G. Schwarte

Das Florenz an der Elbe hat zwar keinen Ponte Vecchio, aber es hat seine alte Augustusbrücke (heute: Dimitroff-Brücke) mit ihrem Rundblick auf das, was rings im dunstigen Grau eines Herbstmorgens lagert: der Fluß, am Südufer langgestreckt die Brühlsche Terrasse mit den Anlegestegen und dem Weiß der Urlauberschiffe, mit Obsthändlern auf der Uferstraße – und darüber aufgetürmt hinter gilbenden Bäumen die Silhouetten der Bauten, die geblieben sind: himmelanstürmend die restaurierte Hofkirche, ausgebrannt das Schloß, daneben die Staatlichen Kunstsammlungen mit Fahnen auf dem Dach. Gleich nebenan, westlich, in erhabener Ruhe die Sempersche Oper – schließlich die Zwingergalerie.

Alle Stunde löst einer der großen Raddampfer die Halteleinen und gleitet flußabwärts nach Riesa, oder aber er folgt dem Sehnsuchtspfade aller Elbtouristen und stampft gegen den Strom hinauf in die Sächsische Schweiz nach Schandau oder Schmilka – an die tschechische Grenze.

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Ein buntes Mosaik ihres vollbärtigen Namenspatrons ziert den Treppenaufgang im Innern der "Karl Marx". An Bord des tausend Personen fassenden "Luxusklasse"-Schiffes läßt es sich leben. Die Räume teilweise mit Klubsesseln, eine parkettierte Tanzfläche, eine Bar, luftige Oberdecks zum Promenieren. Ein Fahrkartenbüro, Briefkästen und uniformiertes Schiffspersonal; Alles hat – wie man hier gern im Ökonomielatein sagt– "Weltniveau". Der Ober präsentiert eine prall gefüllte Speisenkarte – Schinkenplatten, Gulasch, Dresdner Biere, sächsische Mineralwässer. Sandkuchen nach englischer Art holt man sich per Selbstbedienung im Zwischendeck.

Während die alten Dresdnerinnen ihren Bohnenkaffee schlürfen, lehnt man an der Reling und Photographien: Hochhausneubauten und Pappelgruppen in den Vororten am Südufer, Hügel und die berühmten Berghotels von Loschwitz im Norden. Gleich neben dem "Blauen Wunder" (für Nichteingeweihte: eine gewaltige Hängebrücke über den Fluß) ziehen wie in alter Zeit die Bergbahnen hinauf auf die Loschwitzer Höhen, zum "Weißen Hirsch" und zum Bergrestaurant "Luisenhof".

Dann – in der Morgensonne – das Lustschloß Pillnitz mit seinen geschwungenen Giebellinien und einer breiten Freitreppe hinunter zum grauen Fluß. Seine herrlichen Gartenanlagen mit Palmen und Springbrunnen kann man von der Wasserseite aus nur hinter den Giebeln ahnen ...