Seit einiger Zeit vollzieht sich an der im übrigen ziemlich ruhigen Börse zu Paris bei den Aktien der "Compagnie de Mokta" eine bemerkenswerte Sonderbewegung. Nachdem dieses Papier noch am 8. Oktober 1964 mit 143,50 notiert wurde, ging es innerhalb von vierzehn Tagen bis auf 263, mußte dann allerdings später wieder etwas von seinem Gewinn abgeben.

Offensichtlich ist diese Hausse-Entwicklung einer einzelnen französischen Aktie auf die Bemühungen verschiedener internationaler Stahlkonzerne – genannt werden US-Steel und Rio Tinto – zurückzuführen, die in der Mokta-Gruppe einen größeren Einfluß erlangen wollen. Um dies zu verhindern, soll sich jetzt auch französisches Kapital an den Käufen beteiligen.

Zur Compagnie de Mokta, die man als eine Art Holding-Gesellschaft bezeichnen kann, gehören eine Reihe von Minengesellschaften in Nord- und Zentralafrika, in Spanien und Peru. Ferner bestehen Ausbeutungspläne für Kanada.

So befaßt sich eine Gesellschaft der Mokta-Holding, die "Cie. des Mines d’Uranium de Franceville" (40 Prozent Beteiligung), mit der Uraniumgewinnung in Gabon. Hier hat Mokta vor kurzem Investitionen in Höhe von 10 Millionen Francs vorgenommen, die bereits ihre Früchte zu tragen beginnen. Der eigentliche Boom in der Uraniumnachfrage wird in Fachkreisen allerdings erst ab etwa 1970 erwartet. Nach einer Voraussage der europäischen Behörde Euratom wird sich der Bedarf an Uranium zur Energieversorgung für zivile Zwecke von 1970 bis 1980 gegenüber den davorliegenden acht Jahren etwa verdoppeln. Hierauf beginnt sich die internationale Spekulation offenbar schon jetzt einzurichten.

Eine weitere wichtige Mokta-Gesellschaft befindet sich in Grand Lahou (Republique Côte – d’Ivoire), wo unter sehr günstigen Bedingungen Manganerzminen ausgebeutet werden, aus denen Stahlwerke in Frankreich, der Bundesrepublik und Großbritannien versorgt werden. Während diese Manganerzvorkommen jedoch verhältnismäßig bald erschöpft sein werden, befinden sich in Gabon noch bedeutend größere Mengen dieses Erzes, wodurch dieser Staat Afrikas zum drittwichtigsten Manganerzlieferanten der Welt wird (hinter Sowjetunion und Indien). An den Erzvorkommen in Gabon ist Mokta durch eine Beteiligung an der "Compagnie Minière de l’Ogooue" interessiert und soll hier bereits 50 Millionen Francs investiert haben. An der zuletzt genannten Gesellschaft besitzt übrigens auch der US-Steel-Konzern schon jetzt eine erhebliche Beteiligung.

Von anderen Erzgruben in Nordafrika mußte Mokta bereits im vergangenen Jahr einen Teil ihrer in Algerien gelegenen Interessen wegen der dort verhängten Verstaatlichungen abschreiben. Weitere Eisen- und Manganerzvorkommen in Marokko und Tunesien konnte die Gesellschaft in 1963 nur mit gegenüber den Vorjahren vermindertem Erfolg ausbeuten, was aber weniger auf die politische, als vielmehr auf die damalige ungünstige wirtschaftliche Lage in der Stahlwirtschaft zurückzuführen ist.

Die Franzosen scheinen aber schon die Konsequenzen aus der Stahlflaute der letzten Jahre gezogen zu haben und wollen sich jetzt offenbarmehr auf dem zukunftsträchtigen Sektor der Uranwirtschaft betätigen. Mokta hat bereits durchblicken lassen, daß man in Kanada (Labrador) derzeit noch nicht ausgebeutete Uraniumminen zu erwerben beabsichtige. Schon jetzt besteht dort die "Mokta Exploration Quebec Inc.", die nach Blei- und Zinkvorkommen forscht.

Matthias Heydrich