E. B., Frankfurt

Dann werd’ ich das Ding also jetzt einschalten", brummte befriedigt Rudi Arndt, mit 37 Jahren Hessens jüngster Minister für Wirtschaft und Verkehr. In einem mit Meßgeräten und Apparaturen vollgestopften Raum des Frankfurter Flughafen-Verwaltungsgebäudes drückte er auf einen schwarzen Knopf. Doch es passierte nichts. Fast zehn Minuten lang betrachtete der Minister wohlgefällig die geheimnisvollen Apparate, deren Funktion ihm von eifrigen Technikern erläutert wurde. Dann schüttelte er den Kopf: "Ich hab’ das Gefühl, die haben hier heute generelles Start- und Landeverbot. Es tut sich ja nichts." Es fand sich einfach kein Luft-Lärmsünder.

Dabei hatte die Flughafenverwaltung eigens einen Minister aus Wiesbaden herbeigeholt, um die erste Flugzeuglärm-Kontrollanlage auf dem europäischen Kontinent in Betrieb zu setzen. Nach dem Kennedy-Airport bei New York und London-Heathrow ist Frankfurt "Rhein-Main" nun der dritte Flughafen, der mit elektronischen Ohren Luftgeräusche einfängt, um festzustellen, welches Flugzeug unbotmäßig Lärm macht.

Frankfurt hat etwas "dagegen" getan. In den vergangenen Jahren hatten die Anwohner des Flughafens dagegen protestiert, daß Flugzeuge zu tief und mit gewaltigem Motorengebrüll über ihre Häuser hinwegbrausten. Darum bestellte die Flughafenverwaltung beim Max-Planck-Institut für Strömungsforschung ein Gutachten. Das Ergebnis: entlang der Ein- und Abflugschneisen in Offenbach, Neu-Isenburg, Walldorf, Mörfelden und Raunheim wurden sechs Kontrollstellen montiert. Sie registrieren die Luftgeräusche und melden sie automatisch an die zentrale Überwachungsstelle im Verwaltungsbüro weiter. Dort schlagen die Ticker aus. Bleiben sie im grünen Bereich, liegt der Geräuschpegel unter der Norm. Drucken sie hingegen rot, ist der Normalwert überschritten.

"Es kommt uns keiner aus", verkündete Flughafendirektor Walter Luz. "Gebt uns vier Wochen Zeit, dann wird’s mit dem Luftlärm um Frankfurt schon ganz anders aussehen." In London ist die Zahl der "Krachmacher" auf weniger als zwei Prozent bei allen Starts und Landungen zurückgegangen, in New York sank sie sogar auf unter ein Prozent.

"Rhein-Main" wird bei den Flugkapitänen wohl bald verschrien sein. Steuern sie Frankfurt an, müssen sie von nun an die "Pulle etwas rausnehmen" und die Sicherheitshöhe einhalten. Vier Wochen haben sie von der Flughafenleitung Zeit bekommen, sich daran zu gewöhnen; danach hagelt es Strafen. Wird ein Pilot als "Ruhestörer" erwischt, muß er mit einer Ordnungsstrafe bis zu 5000 Mark rechnen. Hilft das nicht, dann will die Flughafenverwaltung der betreffenden Gesellschaft mitteilen, daß man diesen Flugkapitän auf dem "Rhein-Main"-Flugfeld nicht mehr zu sehen wünsche. Das allein habe in London Wunder gewirkt, verriet Direktor Luz.