DIE ZEIT

Europa ist ein Opfer wert

Was wird er tun? Wird er die EWG verlassen, wird er sie einfrieren oder will er uns am Ende nur einschüchtern? In Brüssel, Bonn und Paris rätselt man, ob de Gaulle einen für ihn vorteilhaften Weiterbau des Europamarktes erzwingen möchte – oder ob er nur einen Vorwand für die Zerstörung der EWG sucht.

Goldwater ist "tot"...

Schon vor seinem Sieg hatte Lyndon Johnson verkündet, es komme darauf an, die Wunden des Wahlkampfes schnell zu heilen und die – vorübergehend in Frage gestellte – Überparteilichkeit der amerikanischen Außenpolitik wieder herzustellen.

Bruch mit Paris?

Konrad Adenauer hat in jenem "Bild am Sonntag"-Interview, das über Nacht eine handfeste Krise in der Regierungspartei heraufbeschworen hat, einen Satz gesagt, der alle Zustimmung verdient: "Das deutsche Volk zieht eine Klarheit, die hart ist, einer Unklarheit vor, die weich erscheint.

Letzte Woche in der DDR: Neue Schwierigkeiten im Interzonenhandel

Die Regierung der DDR wünscht künftig nur noch zwischenstaatliche Handelsbeziehungen zwischen beiden Teilen Deutschlands. Was in der Bundesrepublik Interzonenhandel und in Ost-Berlin innerdeutscher Handel genannt wird, soll, wenn es nach dem Willen der Kommunisten geht, fortan als "Handel zwischen den beiden deutschen Staaten" zu den Akten gehen.

Zeitspiegel

"Eines der risikoreichsten Fluchtunternehmen seit Errichtung der Berliner Mauer ist vor einigen Tagen mit der Entdeckung des Fluchtfahrzeuges durch sowjetzonale Grepos beendet worden", meldete das Berliner Büro von Associated Press in der vergangenen Woche den Redaktionen der Weltpresse.

Helden oder Gangster?

In einer Berliner Bar, zu der Damen keinen Zutritt haben, wartete ich auf das "Kennwort". Zwischen den männlichen Gästen an der Bar war derjenige unschwer auszumachen, von dem das verabredete Zeichen kommen sollte.

Heye gab auf

Der Wehrbeauftragte, Vizeadmiral a. D. Hellmuth Heye, hat es seinen Gegnern leicht gemacht. Jaeger, Strauß, von Hassel und anderen Kritikern gelang es am Ende ohne Mühe, ihn zur Amtsmüdigkeit zu nötigen.

Peinlicher Streit

Über die Rolle, die Dr. Barzel bei den Verhandlungen über die Häftlingsentlassungen gespielt hat, gibt es verschiedene Versionen.

Der Sieger

Am 22. November 1963 ließ das Schicksal Lyndon B. Johnson durch die Hintertür ins Weiße Haus. Am 3. November 1964 überreichte ihm das amerikanische Volk die Schlüssel zum Hauptportal.

Absage ans Prestige-Denken

In Whitehall waren die Protokolle des Tory-Kabinetts kaum in den Stahlschränken verschwunden, die Chefs der neugeschaffenen Ministerien hatten kaum ihre Arbeitsplätze eingenommen und der von den ungeräumten Akten aufgewirbelte Staub hatte sich noch nicht gesetzt, als schon die erste und grundsätzliche Entscheidung gefallen war.

Ist die große Krise nur aufgeschoben?

Wird es Konrad Adenauer mit seinem massiven Angriff auf die Außenpolitik Erhards bewenden lassen, oder werden dieser einen Attacke andere folgen? Im Fraktionsvorstand und in der Fraktion wurde deutlich gesprochen: Weitere Kritik solcher Art will die Union nicht hinnehmen.

Chruschtschows Sünden

Die bisher in Moskau bekanntgegebenen Anschuldigungen gegen Nikita Chruschtschow – insgesamt sind es 29 – lassen bereits erkennen, in welchem Ausmaß und in welchen Grenzen die neue Führung sich von Chruschtschow und seiner Politik distanzieren will.

Das Protokoll des Perry Broad

Irgendwo in den Trümmern lag ein verbeulter Blechnapf, aus dem wohl einstmals ein Häftling seine Wassersuppe verzehrte. Mit ungelenker Hand war auf ihm ein auf tobender See tanzender Kahn eingeritzt.

Kabinettsjustiz im Fall Jahn

Der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Jahn hatte 1962 ein geheimes Protokoll des Verteidigungsausschusses des Bundestages einem Spiegel-Redakteur zur Verfügung gestellt und zwar in der Erwartung, daß er damit Behauptungen des damaligen Bundesverteidigungsministers Strauß, als falsch aufdecken könne.

Namen der Woche

Kronprinz Feisal wurde König von Saudi-Arabien. Er tritt an die Stelle des erkrankten Königs Saud. Der 58jährige Feisal, der schon bisher als Regierungschef und Regent die Geschicke des Wüsten-Königreichs gelenkt hat, gilt als fortschrittlicher Politiker.

Angriff auf US-Stützpunkt

Die Amerikaner erlitten ihre bisher schwerste Schlappe in Südvietnam. Die kommunistischen Vietcongs griffen den Luftwaffenstützpunkt Bien Hoa an, der nur zwanzig Kilometer nördlich der Hauptstadt Saigon liegt.

Von ZEIT zu ZEIT

US-Präsident Lyndon B. Johnson wurde mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Als erster europäischer Politiker wird der belgische Außenminister Paul Henri Spaak den neugewählten amerikanischen Präsidenten treffen.

Der Sturz General Abbuds

Vom Fenster, seines Palastes am Nilufer hatte Präsident Abbud beobachtet, wie seine Truppen in die Demonstranten feuerten. Die Demonstranten hatten versucht, den Palast zu erreichen, um Abbud eine Petition zu übergeben – die Bitte um Wiedereinsetzung einer demokratischen Regierung im Süden.

Das Vermögen soll gerecht verteilt werden

Gesetzentwurf des Kabinetts – FDP: Erhard beugte sich dem Druck des linken FlügelsDie gerechtere Verteilung des Vermögens, jahrelang Lieblingsthema im relativ akademischen Streit der Sozialexperten, ist nun Gegenstand der praktischen Politik geworden.

Deutsche Begegnung

Es war eine Woche der gesamtdeutschen Begegnung. Etwa 200 000 Westberliner besuchten am Wochenende ihre Verwandten in Ostberlin.

Flirt Paris – Moskau

Während de Gaulle der Bundesrepublik durch Drohungen zusetzte, gab er Moskau zu verstehen, daß ihm an einem Ausbau der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sehr gelegen ist.

Volfgang Ebert:: Laßt Erhard ran!

Aus gegebenem Anlaß heraus habe ich neulich Menschen daraufhin befragt, was sie von unserem Kanzler halten, und zwar ging es mir da besonders um den "Mann auf der Straße", das heißt, um eine ganze Reihe von Männern und Frauen auf der Straße.

Der Held, der keiner war

Am 20. März 1957 wird in Fort Worth in Texas ein Held entdeckt. Ein Held des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Mann, der am 6. August 1945 auf Hiroshima die erste Atombombe der Welt warf, aber der inzwischen diese Tat bereut, so bitter bereut, daß er keinen Frieden mehr findet, und der schließlich Straftaten begeht, nur um von irdischen Gerichten bestraft zu werden.

Gomulka ist ein Realpolitiker

Unser Verhältnis zu den Ländern des Ostblocks wie insbesondere zu Polen ist durch Ressentiments und Vorurteile bestimmt, die um so nachhaltiger wirken, je weniger oder einseitiger wir über die "Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie" informiert werden.

Wie Hitler Komplicen gewann

Anzuzeigen und zu loben ist – mitsamt Herausgeber wie Verlag – eine fünf Bände umfassende Dokumentation, die auf zusammen annähernd 2250 Seiten eine Unzahl von Zeugnissen, angereichert zudem mit Bildern und Faksimiles, ein staunenswertes Panoptikum darbietet: das kulturpolitische Ackergelände, auf dem unter der Oberaufsicht des amtlich bestellten Kunstkärrners Josef Goebbels zwölf Jahre lang allerlei Kraut gesät und Unkraut geerntet wurde.

Der Mann ohne Leidenschaften

Lohnt es sich eigentlich, eine Ulbricht-Biographie zu schreiben?" Mit dieser Frage beginnt Carola Stern ihr Buch. Und sie antwortet mit einem indirekten "Nein".

Kogon

Seit der ersten Nachkriegszeit hat Eugen Kogon in den "Frankfurter Heften" an dem Bemühen mitgewirkt, den freiheitlichen Sozialismus aus christlichem Geist zu verwirklichen Er ist nicht weit damit gekommen.

Gesinnung als Schicksal

Mit 29 Jahren war Kantorowicz Kulturkorrespondent der "Vossischen Zeitung", mit 34 mußte er vor der SA fliehen, die seine Wohnung demolierte, mit 38 nahm er am spanischen Bürgerkrieg auf der gleichen Seite teil wie Hemingway, mit 42 glückte ihm die Flucht nach New York, als Fünfziger gab er, nach Ostberlin übergesiedelt, in seinem Verlag die Zeitschrift "Ost und West" heraus, als Herausgeber der Werke von Feuchtwanger und Heinrich Mann genoß er literarisches Ansehen, als nahezu Sechzigjähriger ging er, in der sogenannten DDR als sogenannter Intellektueller beargwöhnt, in die Bundesrepublik, die ihn nicht mit offenen Armen aufnahm.

Die Amerikaner

Nach seinem umfangreichen Werk über die Freiheit und Unfreiheit, im Atomzeitalter (Vergleiche DIE ZEIT vom 27. März 1964), legt der wieder in Deutschland lebende Autor eine kurzgefaßte Untersuchung über den amerikanischen Charakter vor, die er als Vorstudie zu einem kommenden großen Werk über amerikanisches Leben bezeichnet.

Adschubej

Der Verlag hat (unverdientes) Pech gehabt. An dem Tage, an dem dieses Büchlein erschien, wurde Adschubejs Schwiegervater gestürzt.

Das "Wochenblatt"

Wolfgang Scheel: Das "Berliner Politische Wochenblatt" und die politische und soziale Revolution in Frankreich und England, Göttinger Bausteine zur Geschichtswissenschaft, Band 36; Musterschmidt-Verlag, Göttingen: 204 S.

Film

"Die Nackte" (Italien; Verleih: Inter-Film): Man mag zu Moravia stehen, wie man will, diese Adaption seines Romanos "La Noia" durch Damiano Damiani hat er nicht verdient.

Unser Kritiker sah:: MADAME LEGROS

Beim Neuaufbau des Kölner Schauspielensembles ist eine profilbildende Note sichtbar geworden. Sie zeichnete sich schon in den stilleren Partien von Arno Assmanns "Julius-Cäsar"-Inszenierung ab als das Streben nach psychologisch minuziöser Charakterisierung.

Der Preis für "Oppenheimer"

Die "Deutsche Akademie der darstellenden Künste" (Sitz Frankfurt am Main) hat, wie schon vor längerer Zeit berichtet, einen Fernsehpreis gestiftet.

Fernsehen: Erler und Eger

Statt Thilo Koch – Theo Sommer, statt Erhard – Erler, statt der Regierung – die Opposition: das vielbefehdete zweite Gespräch stand, der Qualität, dem Schwung und der Präzision nach, turmhoch über dem ersten.

Thomas Mann:: Brief an den Dekan

In der Erklärung der Universität Bonn wird der erste Satz des Dankschreibens zitiert, mit dem Thomas Mann am 28. Januar 1947 die Ehrendoktorwürde wieder angenommen hat.

Demokratie und Schulchaos

Wäre die Demokratie bei uns so lebendig wie in den Vereinigten Staaten von Amerika, dann wüßten sich die Eltern der bei einem Umzug in völlig neue Schulsysteme einzugliedernden Kinder, der "unglücklichen Bundeskinder", wie sie ein Bonner Abgeordneter nannte, schon zu helfen.

Willi Bredel

Willi Bredel, der am 27. Oktober 63 Jahre alt in Ostberlin gestorben ist, wurde am 2. Mai 1901 als Sohn eines Zigarrensortierers in Hamburg geboren.

Neue Schallplatten

Nur wenige dürften den Liederkreis "Tagebuch eines Verschollenen" des tschechischen Komponisten Leos Janácek schon einmal gehört haben.

Zeitmosaik

Am 9. März 1879 wurde Agnes Miegel in Königsberg geboren, am 26. Oktober starb sie, die auch die "Droste des Ostens" genannt wurde, in einem Sanatorium in der Nähe von Bad Nenndorf.

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