Wie das Gesetz es befiehlt, so errechnen die Beamten des Bundesfinanzministeriums gewissenhaft Jahr für Jahr den Nachweis über das Vermögen und die Schulden des Bundes. Für den 31. Dezember 1963 haben sie folgende Beträge ermittelt:

Bundesvermögen = 60,206 Milliarden Mark

Bundesschulden = 34,427 Milliarden Mark

Der Bürger kann also ganz beruhigt sein. Was von seinen Steuerleistungen an den Bund nicht für Raketen, Zuschüsse an Sozialversicherung und Landwirtschaft, für Beamtengehälter und sonstige Verbrauchsausgaben verwendet, sondern dauerhaft angelegt worden ist – auf Heller und Pfennig wird ihm hier Rechenschaft gegeben. Dasselbe gilt für die Schulden des Bundes, die in den letzten Jahren mehr gestiegen sind als in früheren Zeiten.

Zieht man die Schulden vom Vermögen ab, so verbleibt ein rechnerischer Überschuß in Höhe von rund 25,8 Milliarden Mark. Das ist ein ganz beachtlicher Betrag. Mit ihm könnten die Ausgaben des Bundes für fünf Monate gedeckt werden, in denen dann niemand Steuern zahlen müßte. Und gut gewirtschaftet hat man in Bonn auch, denn im Vergleich zum Jahresende 1962 ist der Überschuß um rund 1,2 Milliarden Mark gestiegen.

Aber ist die Vermögenslage des Bundes wirklich so rosig, wie es nach diesen Zahlen den Anschein hat? Betrachtet man die Vermögenswerte unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, dann wird man zum Teil zu wesentlich anderen Zahlen kommen, als sie – den bindenden gesetzlichen Vorschriften entsprechend – in dem Vermögensnachweis enthalten sind.

Die Grundstücke und Gebäude stehen mit rund 22 Milliarden Mark zu Buch. Denkt man an die Steigerung der Baupreise, so vermutet man in diesen Posten beträchtliche Reserven. Doch die Ansicht trügt. Denn es ist sehr fraglich, ob beim Verkauf von Verwaltungsgebäuden, Kasernen, Depots oder Bunkern der Buchwert erzielt würde. Eine realistische Bewertung dieses Gesamtpostens dürfte sehr schwierig sein. Auch die vorgenommenen Abschreibungen geben keine Anhaltspunkte über den realisierbaren Wert. Mit 1,83 Milliarden Mark erscheinen sie sehr hoch, weil im vergangenen Jahr die in Autobahnen, Bundesstraßen und Kanälen investierten 1,63 Milliarden Mark sofort voll abgeschrieben worden sind.