Die diabolische Freiheit, sich durch Lärm das Leben unerträglich zu machen, muß eingeschränkt werden, sagte Mr. Connell von der Noise Abatement Society, der Londoner Anti-Lärmliga. Und richtet seine Aktion gegen ein ... Kinderdreirad. Es ist allerdings kein gewöhnliches Dreirad, dieses neueste Produkt der amerikanischen Spielzeugindustrie: Das Rad hat eine eingebaute Tonapparatur, die das Wrrumm-Wrrumm-Motorengeräusch eines starken Rennwagens wiedergibt. Nicht nur authentisch wiedergibt, sondern das Geräusch vierfach verstärkt. Das vertonte Spielzeug ist schon ein Vorläufer des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts und ist ein reines Lärmmonstrum, wie Mr. Connell schaudernd erklärte.

Mr. Connell, der Sekretär der Anti-Lärmliga führt seit Jahren seinen Kampf mit dem Gedröhn unserer Zeit. Keineswegs erfolglos. So erreichte er, daß Preßluftbohrer in Wohnvierteln Londons nur an bestimmten Stunden bohren dürfen.

Als kürzlich Vertreter der amerikanischen Spielzeugindustrie an die zehntausend neue Lärmdreiräder und anderes Spielzeug vorführten, um das englische Weihnachtsgeschäft zu beleben, war auch Mr. Connell mit seinen Tontechnikern zur Stelle. Er wollte das Spielzeug auf seine Tonstärken prüfen. Denn, wie die Amerikaner freudig hinwiesen, die neue Spielzeugmode der Saison sei auf Lärm konzentriert. Geräusch erfreue Kinderherzen und fülle dadurch die Weihnachtskassen, meinten die geschäftstüchtigen Amerikaner, während sie Spielzeugpistolen, Kanonen und Raumraketen abfeuerten. Damit nun die Schüsse und Böller nicht im Weihnachtsjubel untergehen, sind in ihnen sogar Lautverstärker eingebaut. Worauf Mr. Connell in einer Geräuschpause feierlich erklärte: "Ich werde dafür zu sorgen wissen, daß England keinen Lärmkarneval feiert." Als er dann jedoch das Wrrumm-Wrrumm-Dreirad hörte, verschlug es ihm die Sprache. Auf keinen Fall dürfte dieses Knallmonstrum den britischen Markt erobern, meinte er, als seine Tontechniker auf die Meßgeräte wiesen. Die Zeiger standen auf über 80 Phon, einer Lautstärke, die bereits an der Grenze liegt, wo Lärm gesundheitsschädigend wird. Auch ein Polizeiinspektor in Zivil war von der Liga eingeladen, um dem Lärmfest beizuwohnen. Eine Weile stand er dabei mit gerolltem Regenschirm, betrachtete und hörte das knallende Dreirad mit gerunzelter Stirn. Dann schüttelte er sich und verließ fluchtartig den Saal.

Inzwischen schenkte Mr. Rea, der Vertreter der Dreiradfirma, dem vierjährigen Jonathan Stead das Dreirad, weil dieser es so prächtig demonstriert hatte. Natürlich fragte Mr. Connell sofort den Vater, ob er auch an die Nachbarschaft denke, die von ihrem Glück noch gar nichts ahnte. Aber Vater Stead, der auch in der Spielzeugbranche arbeitet, meinte nur, das Knallrad würde das Geschrei seiner anderen drei Kinder übertönen.

Ich fragte später Mr. Connell, was die Anti-Lärmliga alles tue, um unnötigen Lärm zu unterbinden. In vielen Fällen, erklärte er mir, bieten Gesetz und lokale Verordnungen Möglichkeiten, gegen die Verursacher von Lärm vorzugehen. In anderen Fällen, wenn beispielsweise Fabriken oder mechanische Werkstätten Krach machen, werden Betriebsleiter besucht und überredet, die Ursachen zu untersuchen und den Lärm möglichst schnell abzustellen.

Die englischen Mittel der Diskussion und des Kompromisses sind meistens erfolgreich, solange es sich um Einzelpersonen oder Gruppen handelt. Schwieriger ist die Situation bei Flughäfen, um dort wenigstens eine Verminderung des Lärms zu erreichen. Seit Jahren geht schon der Kampf, um Mittel und Wege zu finden, wenigstens nachts den Höllenlärm der Düsenmaschinen abzustellen.

Auf meine Frage, was nun die Liga im Falle des knallreichen Dreirads zu tun gedenke, meinte Mr. Connell, er werde Heinzelmännchen hinschicken, die den Schall auf ein erträgliches Maß abdämpfen werden. Nieter O’Leary