Sie heißen alle Birgit, Cordula, Kerstin oder Gaby. Eine heißt auch Claudia, aber seit jüngster Zeit einfach: "Klärchen." Freilich nicht im Elternhaus, denn da ist man möglichst modern und sachlich, sondern in jüngerer Umgebung: Es sind die Twen-Freunde, die ihre zeitgemäßen Namen, auch ihre eigenen, neuerdings "doof" finden – nicht anders als früher, wo Namen wie Kriemhilde, Klausdieter, Annegret und Hildesuse als "doof" galten. Leider suchen zu allen Zeiten Eltern Lieblingsnamen aus, die sie selber wunderschön, die Kinder indessen umöglich finden.

Der Name Claudia paßt zu der dunkelhaarigen knabenhaften Siebzehnjährigen, die schweigsam und scheu ist, recht gut, doch ihre gleichaltrigen Anbeter halten diese "süße Masche" für "das letzte", zum Beispiel Michael. Zu seinem eigenen Namen meint er: "Na, sprechen wir lieber nicht darüber..." und: "Warum sollte ausgerechnet ich ’n Engel sein?" Abgesehen von seinem möglicherweise unpassenden Namen – er will nicht einsehen, warum ein oder gar "sein" Mädchen Cordula, Andrea oder Claudia heißen muß. Warum nicht Klärchen?

Nämlich: Auf Klärchen muß man aufpassen, muß sie verwöhnen, sie ist so zart und hilflos. Eine Claudia wäre das nie. Wann immer Klärchen still erscheint, trägt sie, auch bei dreißig Grad plus im Schatten, Hosen und Pullover, dieser drei Nummer zu weit und meist mit Rollkragen; unten trägt sie barfuß.

Ein Klärchen genießt immer Sonderrechte, damals und jetzt wieder; es muß ja vor allen Dingen beschützt werden. Von einer "Gleichberechtigung" wollen Siebzehnjährige nichts wissen. Ein Klärchen soll gar nicht up to date sein. Sie ist weder geschminkt, toupiert oder irgendwie, irgendwo gefärbt; ihr Mund und ihre Fingernägel sind blaß. Sie soll – was nie ausgesprochen wird – an "Großmutter" erinnern. Sie muß nicht unbedingt Tennis spielen können (zu albern), noch Ski laufen (zu männlich); ein Klärchen soll einfach "da sein", immer Zeit haben, sie soll warten und dem heimkehrenden "Helden" einen großen Empfang bereiten. Ob er, der Held, nun aus der Schule, von der Arbeit, vom Sport oder von sonstwo her kommt: Ein Klärchen wartet. So stellt sich Michael, genauer: Mik, das Mädchen seiner Träume vor. tri