Eigentlich hätte die Deutsche Industriebank, Berlin, in diesem Jahre liquidiert werden sollen. So jedenfalls sah man es bei ihrer Gründung im Jahre 1924 vor, als dieses Institut unter dem Namen "Bank für deutsche Industrie-Obligationen" zur Ablösung für den Beitrag der gewerblichen Wirtschaft zu den Reparationen des Deutschen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg entsprechend dem Dawes-Plan errichtet wurde. Inzwischen ist viel Wasser die Spree hinuntergeflossen, dem Institut sind andere Aufgaben zugewachsen, über die Osthilfe Anfang der dreißiger Jahre dann schließlich die Investitionsfinanzierung speziell von Mittelbetrieben, denen der Kapitalmarkt nicht ohne weiteres offen stand.

Diese Aufgaben hat dann an Stelle des Berliner Instituts die in Westdeutschland nach dem letzten Krieg gegründete Industriekreditbank in Düsseldorf übernommen, an der sich die Deutsche Industriebank inzwischen durch Übernahme von Aktien beteiligt hat. Erst 1955 nahm die Deutsche Industriebank wieder ihr Geschäft auf, diesmal auf den Raum Westberlins beschränkt. In den letzten vier Jahren hat die Bank dann rund 84 Millionen DM Kredite vergeben.

In der Hauptversammlung in Berlin, zu der rund 140 Aktionäre, sämtlich Vertreter von Banken und Unternehmen, die 1924 stellvertretend für die gesamte deutsche Wirtschaft Anteile gezeichnet hatten, gekommen waren, konnten erfreuliche Zahlen für die Bank bekanntgegeben werden. In diesen Tagen haben die Kreditbewilligungen der Bank seit Wiederaufnahme des Geschäfts die Zahl 1000 überschritten. Die Kreditsumme erreichte rund 150 Millionen DM. Damit konnten Investitionen von über 500 Millionen DM finanziert werden. Auch im 40. Geschäftsjahr 1963/64 (31. März) wurden Lücken in der Berliner Investitionsfinanzierung gefunden und geschlossen. Auf dieses Aufspüren von Lücken mußte sich die ehemalige "Bafio" zwangsläufig konzentrieren, denn das normale Industriekreditgeschäft war ja auch in Berlin längst angelaufen, bevor sie wieder beginnen konnte.

Jetzt tragen in erheblichem Maße Private und Unternehmen in Westdeutschland zur Mittelbeschaffung bei, deren Darlehenshingabe nach Berlin steuerlich begünstigt wird. Bisher hat die Deutsche Industriebank aus solchen Mitteln 22 Millionen DM zur Verfügung stellen können, weitere Erklärungen über die Bereitstellung von 11,5 Millionen DM, überwiegend bis zum Jahresende, liegen bereits vor. W. P.