Von Thomas von Randow

Fernsehen über Nachrichtensatelliten, Nahaufnahmen vom Mond, Funkverbindungen mit Raumsonden über Millionen Kilometer hinweg, Empfang von Radiosignalen Lichtjahrmillionen entfernter Galaxen, das alles gäbe es nicht oder nur unvollkommen, wäre nicht just zur rechten Zeit – Anfang der fünfziger Jahre – ein neuartiger Verstärker elektromagnetischer Wellen erfunden worden: der "Maser", ein Instrument, in dem quantenphysikalische Phänomene für die Elektronik nutzbar gemacht werden.

Die wahrhaft revolutionäre Bedeutung diese: Erfindung liegt freilich in der Weiterentwicklung jenes Instrumentes, deren Resultat der optisch Maser war, der "Laser", Quelle eines besonderen Lichtes, das milliardenfach intensiver ist als das der Sonne, das Diamanten zu durchbohren vermag, mit dem man Einzelheiten in der lebenden Zelle beleuchten, Zeitintervalle, Entfernungen und Geschwindigkeiten mit nie zuvor gekannte: Genauigkeit messen, oder eine abgelöste Netzhaut anschweißen kann.

Unbegrenzt scheinen die Anwendungsmöglichkeiten dieses Lichtes zu sein, mit dem gegenwärtig in zahllosen Laboratorien der ganzen Welt experimentiert wird; Chirurgen führen Krebsoperationen mit dem scharfen Laser-Lichtstrahl durch, Physiker prüfen damit die Richtigkeit der Relativitätstheorie, Biologen bestimmen mit dem Laser die Wachstumsgeschwindigkeit von Körperzellen, die NASA benutzt ihn, um damit Satelliten zu orten, und Nachrichtentechniker stellen Versuche an, statt Radiowellen Laser-Licht für den Funkverkehr zu verwenden.

Ohne Zweifel gehört die Erfindung des Masers, die Initialzündung der gegenwärtig so regen weltweiten Forschungsaktivität auf dem neuen Gebiet der "Quantenelektronik", zu den bedeutendsten Errungenschaften der angewandten Wissenschaft. Daß diese mehr als ein Jahrzehnt zurückliegende Pioniertat erst jetzt mit dem Nobelpreis für Physik gewürdigt wurde, mag an der Schwierigkeit gelegen haben, die Priorität festzustellen. Denn der Gedanke, es müsse sich ein Verstärker konstruieren lassen, dessen Funktion auf der von Einstein postulierten "induzierten Strahlenemission" beruht, lag in der Luft, und so kam es, wie schon häufig in der Geschichte der Wissenschaft, daß die Idee ungefähr zur gleichen Zeit an verschiedenen Forschungsstätten unabhängig voneinander verwirklicht wurde: In New York von Charles H. Townes, in Moskau von Nikolai G. Basow und Alexander M. Prochorow und in College Park (Maryland) von Joseph Weber.

Die Schwedische Akademie hat die hohe Auszeichnung den Professoren Townes, Basow und Prochorow zuerkannt. Warum nicht auch Weber den Preis erhielt, darüber ist das Kollegium der Akademie nach seinen Statuten niemandem Rechenschaft schuldig.

Welches waren Motiv und physikalischer Grundgedanke, die diese Forscher, ohne daß sie voneinander wußten, auf die Idee brachten, nahezu identische Apparaturen zur Verstärkung von Mikrowellen zu entwickeln?