Rechtzeitig vor der Bundestagswahl werden die Volksaktien Nr. 3 einem Teil der Bevölkerung der Bundesrepublik zur Zeichnung angeboten werden. Es handelt sich um Aktien der Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG (Veba), einer bisher auschließlich im Bundesbesitz befindlichen Industrieholding-Gesellschaft. Wenn es der SPD, die naturgemäß an dem Wahlschlager "Volksaktien" kein Interesse hat, nicht noch in letzter Stunde gelingt, die Teilprivatisierung der Veba auf den "Rechtsweg" zu bringen und damit ihre Ausgabe vor der Wahl unmöglich zu machen, wird sich die Mehrzahl der deutschen Sparer überlegen müssen, ob und wieweit es sich lohnt, die vom Bund angebotenen Veba-Aktien zu erwerben. Es handelt sich um eine gute Anlage.

Nach den bisherigen guten Erfahrungen, die mit den Volksaktien Nr. 1 (Preußag) und Nr. 2 (Volkswagenwerk) gemacht worden sind, ist das Interesse an den Veba-Aktien begreiflicherweise groß, obwohl die Veba in den breiten Sparerkreisen bisher kaum bekannt gewesen sein dürfte. Inzwischen sind über die Veba in den Zeitungen (auch in der ZEIT) so viele aufklärende Artikel erschienen, daß ich glaube, meine verehrten Leser, auf eine erneute Vorstellung dieses interessanten Konzerns verzichten zu können.

Im Gegensatz zu der Teilprivatisierung des Volkswagenwerks will man bei der Veba auf die Gewährung eines Sozialrabatts verzichten. Alle Zeichner müssen den gleichen Preis für die ihnen zugeteilten Veba-Aktien bezahlen. Die "soziale Frage" soll auf eine andere Weise gelöst werden, nämlich über eine Einkommenstaffelung. Für die Begrenzung des Bezieherkreises werden folgende Einkommensgrenzen gesetzt: Jahreseinkommen von 8000 DM, 11 000 DM und 14 000 DM für Ledige, bei Verheirateten verdoppeln sich diese Beträge. Bei der Zuteilung der Aktien sollen die Zeichner der jeweils niedrigeren Einkommensgruppen vor den übrigen Zeichnern bevorzugt werden.

Als Einkommen gilt das zu "versteuernde Einkommen", also befreit von allen Freigrenzen usw. Dadurch bekommen besonders Kinderreiche Zeichnungsvorteile. Jeder Zeichnungsberechtigte darf allerdings nur fünf Aktien über nom. 100 DM erwerben. (Eine Sonderregelung ist für die Belegschaft des Veba-Konzerns vorgesehen, ähnlich wie seinerzeit beim Volkswagenwerk.)

Aus den jetzt vom Bundesschatzministerium bekanntgegebenen Einzelheiten ist demnach dieses eindeutig zu entnehmen: Je weniger man verdient, um so größer wird die Gelegenheit sein, "in Veba-Aktien zu sparen". Diese Merkwürdigkeit ist natürlich auch den Politikern nicht entgangen. Deshalb erwartet Bundesschatzminister Dollinger, daß die Banken im Bedarfsfalle den Kaufpreis für die neuen Anleger kreditieren. Da sicherlich auch der Bundesschatzminister nicht der Meinung sein kann, daß "kleine Sparer" Aktien auf Kredit kaufen sollen, und sich damit auf einen der gefährlichsten Pfade der Spekulation begeben, scheint er offenbar damit zu rechnen, daß die Veba-Aktien, sind sie erst einmal an der Börse eingeführt, mit ihren Kursen rasch klettern werden.

Deshalb ist jedem Zeichnungsberechtigten zu raten, den Anspruch auf fünf Veba-Aktien anzumelden. Notfalls können sie über Kleinkredite finanziert werden bis zu dem Zeitpunkt, da sie mit Gewinn wieder abzustoßen sind. Eine Verkaufssperrfrist, wie bei Preußag und VW‚ ist diesmal nicht vorgesehen. Hier zeichnet sich also ein Geschäft ab, an dem man, ohne einen Pfennig Ersparnisse zu haben, teilhaben kann.

Viel hängt natürlich vom Preis der Veba-Aktien ab, die an der Börse noch nicht gehandelt werden und die deshalb auch noch keinen Kurs haben. Das Bundesschatzministerium schweigt sich in dieser Frage aus. Es kann auch noch keine exakte Angaben machen.