Von Alfred Kantorowicz

Willi Bredel, der am 27. Oktober 63 Jahre alt in Ostberlin gestorben ist, wurde am 2. Mai 1901 als Sohn eines Zigarrensortierers in Hamburg geboren. Er arbeitete während des Ersten Weltkrieges als Metalldreher in einer großen Hamburger Werft, trat als Fünfzehnjähriger der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, wurde Betriebsobmann der Lehrlinge, tippelte nach dem Ende der Lehrzeit durch Deutschland und Italien, arbeitete nach der Rückkehr in verschiedenen Hamburger Fabriken und Werften und lernte zugleich als sogenannter Arbeiterkorrespondent kommunistischer Parteizeitungen das Abc des Schriftstellers.

Zum Unterschied von anderen organisierten „proletarisch-revolutionären Schriftstellern“ der zwanziger Jahre ist ihm – ähnlich wie Kurt Kläber und Theodor Plivier – eifriges Bildungsstreben zuzugestehen. Auch musikalische Begabung zeigte er.

Als Knabe hatte er im Kinderchor der Hamburger Oper mitgesungen, und in seinem bekanntesten Roman – man sagt wohl richtiger: seinem in Romanform gesetzten Erlebnisbericht über seine Haftzeit im Konzentrationslager Fuhlsbüttel, „Die Prüfung“ – schildert er sehr anschaulich, wie er in seiner Zellenecke mit geschlossenen Augen sich selber Konzerte gibt, ganze Opern in sich hineinsingt. Es ist keineswegs spöttisch, sondern sehr nachdenklich gesagt: Vielleicht wäre sein Leben ganz anders verlaufen, wenn der zu kleine, gedrungene Mann zwanzig Zentimeter größer gewachsen wäre und seinem geheimen Wunsch gemäß Heldentenor hätte werden können.

Seine erste Verhaftung erfolgte nach der Teil- – nahme am Hamburger Oktoberaufstand von 1923; er wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, aber nach wenigen Monaten amnestiert. Danach musterte er als Schmierer auf dem Flettner-Motorschiff „Barbara“ an, machte „Apfelsinenfahrten“ nach Spanien und Nordafrika, arbeitete dann wieder als Dreher in einer Hamburger Maschinenfabrik.

Im Oktober 1928 wurde er in die Redaktion der „Hamburger Volkszeitung“ berufen und bald darauf vom Reichsgericht zu zwei Jahren Festung verurteilt. Während dieser Haftzeit schrieb er seinen ersten, formal ungefügen, doch erzählerische Begabung nachweisenden Roman „aus dem proletarischen Alltag“: „Maschinenfabrik N. & K.“

Auch sein zweiter Roman, „Die Rosenhof-Straße“, handelt im Hamburger Arbeitermilieu.