Die Invasion fand nicht statt

Enttäuschung mit Folgen

Vor der Abgeordnetenkammer in Rom wurde vor kurzem das Problem des Fremdenverkehrs erörtert, eines der vielen, brennenden Probleme der italienischen Regierung. Noch im Jahre 1963 stand der Tourismus an zweiter Stelle als Devisenbringer des Landes. Es ist mehr als fraglich, ob er diese Position in der Konkurrenz mit andern mittelmeerischen Ländern auch in diesem Jahr hat halten können.

Die noch nicht endgültig ausgewerteten Statistiken haben zwar auch 1964 einen minimalen Zuwachs des Fremdenverkehrs registrieren können, aber er steht in keinem Verhältnis zu den Erwartungen, den Ausgaben und zu der allgemeinen Reiselust, die allenthalben zu beobachten war.

Ein paar statistische Daten: Die meisten Gäste wurden in Bozen und Trient registriert, es folgt die Provinz Romagna-Emilia mit den Adriabädern Cattolica, Rimini und Riccione. Die im Vergleich zum Vorjahr geringere Zahl der Touristen wird durch die größere Zahl von Übernachtungen wieder aufgehoben, der empfindlich zurückgegangene deutsche Reisestrom durch eine Zunahme österreichischer und Schweizer Gäste ausgeglichen.

Nur ein Viertel der Touristen kam per Bahn, das Gros in Bussen, eigenen Wagen und per Flugzeug. Zehn Prozent von ihnen stiegen in Luxushotels ab. Den Löwenanteil, achtzig Prozent, bilden die Mittelklassegäste der Reisegesellschaften.

Bis auf wenige, spürbar aus dem Kurs geratene Gegenden, wie etwa die Blumenriviera, deren Hoteliers bitter über mangelnde ausländische Gäste klagten, hatte zumindest der unbeteiligte Ausländer den Eindruck, daß es auch in diesem Sommer von Sizilien bis zu den Alpen von Touristen wimmelte. Dennoch sind die Italiener enttäuscht. Was ist geschehen, fragen sie sich, die sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt hatten, die ständig anschwellenden Sommerinvasionen für ein ihnen zustehendes Naturereignis zu halten?