Kritische Nachlese zu den Spielen der XVIII. Olympiade

Von Adolf Metzner

Mehr als zwei Wochen sind schon vergangen, seitdem in der Abenddämmerung Japans Abschiedsgruß, Sayonara, auf der elektronischen Anzeigetafel im Olympiastadion in Tokio aufleuchtete. Aber noch immer ist der Strom der Heimreisenden nicht ganz verebbt. Auch deutsche Leichtathleten starten noch irgendwo in Indien.

Jetzt gibt es für sie neue Probleme. Nur 20 Kilogramm sind als Freigrenze für Flugreisende erlaubt und das Gepäck schwillt immer mehr an. Wo soll man nur all die Kameras, Ferngläser, Transistoren und Tonbandgeräte verstauen, die Japans Industrie so billig zu produzieren und so geschickt anzupreisen versteht? Wo nur all die kleinen und großen Geschenke unterbringen, die die Japaner immer wieder so feierlich überreichten: Wohin mit den Büchern, den bemalten Fächern, den Handdrücken nach Hokusai oder Hiroshige, den schönen Seidentüchern und ganz zu schweigen von den Mikomoto-Perlen mit mattgelbem oder bläulichem Schimmer?

Aber das Gros der deutschen Olympiamannschaft ist zu Hause, und einige der Helden von Tokio konnten am letzten Wochenende in der Dortmunder Westfalenhalle beim Sportpressefest wieder einmal den Beifall der Massen kosten. Auch hier standen die Leichtathleten: Holdorf, der Zehnkämpfer, sowie Reinhardt und Lehnertz, die Stabhochspringer, im Mittelpunkt der Ovationen. Sehr populär noch Klein, der Schwimmer, und der Berliner Vierer mit Neusel als Schlagmann. Merkwürdig, wie sich in der Zeit der Olympiaden die Gunst der Massen den hervorragenden Vertretern von Sportdisziplinen zuwendet, die sonst sehr wenig attraktiv auf das große Publikum wirken.

Tropische Träume

Immerhin, die Schwimmer haben so etwas wie Morgenluft gewittert, Abend für Abend stürzte ihre Rekordflut auf ein ausverkauftes Haus hernieder in der schönsten Halle der Welt, die auch in Brasilien Niemeyers oder Costas tropischen Architekturträumen entsprungen sein könnte.