Einer, der immer lieber geschrieben und gesprochen als agiert oder gar repräsentiert hat, ist August Dresbach, seit 1949 Mitglied des Bundestages. Er wird am 13. November 70 Jahre alt, einer der sympathischsten und markantesten Gestalten des Deutschen Bundestages. Er ist beheimatet in der CDU, aber er hat auch in den anderen Fraktionen gute Freunde. Er ist einer jener Liberalen, die beweisen, daß der Liberalismus lange schon über die Parteigrenzen hinausgewachsen ist.

Dresbach mochte nie das Pathos. Seine knappen, einprägsamen, oft von Witz und Sarkasmus funkelnden Formulierungen sind von einem kultivierten, selbstkritischen Geist geprägt. Aber sie sind nicht oberflächlich. Er hat sich immer gern in die Details vergraben. Das machte ihn im Steuerausschuß des Bundestages zu einem geachteten, aber auch gefürchteten Gesprächspartner. Manche kluge Gesetzesänderung, die dort beschlossen wurde, geht auf ihn zurück.

Dresbach hätte Bundestagspräsident werden können und, wenn er es gewollt hätte, wohl auch Bundesminister. Vielleicht fehlte es dem im Grunde doch mehr kontemplativen Manne an der robusten Ünbekümmertheit, die man zum Handeln braucht, besonders in diesem Milieu. Es hat ihn vermutlich mehr gefreut, daß ihm – und das mit weit mehr Recht als bei so manchem anderen – der Aachener "Orden wider den tierischen Ernst" verliehen wurde, daß ihn der Bund der Steuerzahler mit einem Preis ausgezeichnet hat.

Kurzweilig wie er spricht, schreibt er auch. Er selbst nennt seine Jahre in den Redaktionen der ehemaligen Kölnischen Zeitung und der Frankfurter Zeitung die schönsten seines Lebens. Eine langwierige Krankheit – späte Folge einer schweren Verwundung im Ersten Weltkrieg – hat ihn in den letzten Jahren stiller werden lassen. Er wird für den nächsten Bundestag nicht mehr kandidieren. R.S.