Äußerlich ist nichts Auffallendes an ihm. Er würde, trüge er ein hochgeschlossenes, schwarzes Gewand, vielleicht einem Kaplan ähneln. Auch das Zimmer, in dem er arbeitet, gibt dem Besucher keinen Anhaltspunkt, der die Persönlichkeit erkennen ließe. Der Raum gehört zu einem ehemaligen Kloster; er ist groß, ausgestattet mit dem üblichen, herrschaftlichen Mobiliar; breite Ledersessel, ein runder Tisch, schwere Vorhänge vor den Fenstern. An den hohen Wänden hängen Leihgaben der Bayerischen Gemäldesammlung: "Der Schatten des Achill", "Der Opfergang der Polyxena", "Die mythische Vermählung der Heiligen Katharina", "Moses bringt die Gesetzestafeln".

Erst vor knapp sechs Wochen ist Ludwig Huber in dieses Zimmer Nr. 151 am Salvatorplatz in München eingezogen. "Im Nullkommanix schafft er es und tritt wie ein altgedienter Kultusminister auf", konnte man schon wenige Tage nach seiner Ernennung von Eingeweihten an der Isar hören. Tatsächlich ist Huber ein Arbeitstier. Fünfzehn Stunden am Schreibtisch sind bei ihm die Norm, dazu am Abend Kundgebungen, Versammlungen, Reden. Zeit für Hobbys bleibt ihm da kaum noch: ab und zu auf einen Berg kraxeln, dann und wann einer Schallplatte lauschen – "Lieber Beethoven als Bartok".

Ludwig Huber war schon – immer ein Musterbild an ausdauerndem Arbeitseifer. Er ist kein farbiger Tupfer auf Bayerns politischer Palette – wie Hundhammer oder wie auch Strauß. Auch er ist ein Katholik bayerischer Provenienz, auch ihm ist die Gabe der Rede eigen. Aber sein Katholizismus wirkt unterkühlt, seine Formulierungskraft spielt er nur in öffentlichen Versammlungen aus. Im Gespräch hält er sich zurück, läßt sich nicht zu kühnen Worten, zu scharfer Polemik hinreißen. Er sagt nichts, was sich als Bonmot zitieren ließe. Geflügelte Worte gibt es von Ludwig Huber nicht.

Der blasse Typ eines Politikers also? Ihn weist etwas anderes aus, hebt ihn aus der Menge der hinterwäldlerischen Politiker hervor: Mit 35 Jahren ist Ludwig Huber zugleich der jüngste Minister und Fraktionschef in der Bundesrepublik. Und das will schon etwas heißen; in diesem Punkt ist er ohne Zweifel ein bayerisches Original.

1958 erst war er, der wendige Bayer und aufgeweckte Konservative, in den bayerischen Landtag gewählt worden – nachdem sich herausgestellt hatte, daß der Traunsteiner CSU-Kandidat Leonhard Schmucker ein Vertrauensmann des Himmlerschen Sicherheitsdienstes gewesen war. Huber wurde an seiner Stelle nominiert. Und 1964 erklomm er den Sessel des bayerischen Kultusministers, da Professor Theodor Maunz als ein ehemaliger Apologet der Diktatur hatte abtreten müssen. Huber zierte sich drei Monate lang, dann trat er die Nachfolge an.

Unziemlich wäre es indessen, sagte man Huber nach, solche seltsamen, wenngleich hilfreichen Konstellationen allein hätten ihn auf die Höhen der Macht gebracht. Er ist alles andere als ein politischer Playboy, dem die Erfolge von selber in den Schoß fallen. Huber ist das Paradestück eines zielstrebigen, fleißigen, energischen Politikers. Den Apparat der Landtagsfraktion hat er, der sich gern rühmt, ein "primus inter pares" zu sein, in der Hand, wie wohl keiner vor ihm.

Heute tanzt Huber auf drei Hochzeiten: in Münchens Lazarettstraße als 2. Vorsitzender des CSU-Parteivorstandes, im Maximilianeum als Fraktionschef, am Salvatorplatz Nr. 2 als Kultusminister. Böse Zungen behaupten daher, er sei ein waschechter "Gschaftlhuber". Leute, die es mit dem Grundsatz der Gewaltenteilung genau nehmen, sagen härter, die Firma "Huber und Huber" verstoße gegen den Geist der Verfassung. Tatsächlich ist der Fall Huber ein Sonderfall in der politischen Landschaft der Bundesrepublik.