Es begann ganz harmlos: Studenten in der Andenstadt Cochabamba zogen mit Plakaten durch die Straßen, auf denen zu lesen war: "Herunter mit den Universitätsgebühren!" Andere Studenten schlossen sich ihnen an, und sie trugen Plakate mit gefährlicheren Parolen: Nieder mit Paz! Gemeint war Paz Estenssoro, der Präsident von Bolivien. Die Polizei hatte nicht genug Tränengas und griff zu den Waffen.

Es gab die ersten Toten; Studenten in anderen Städten rebellierten, die Arbeiter der Zinngruben bewaffneten sich, ein regelrechter Bürgerkrieg brach aus. Vizepräsident Barrientos erkannte seine Chance, sagte sich von Paz los und zog die-Armee auf seine Seite. Der Präsident floh im kugelsicheren Cadillac zum Flugplatz und entschwand nach Peru. Bolivien hatte die 180. Revolution seiner Geschichte erlebt. Auch sie vollzog sich nach klassischem lateinamerikanischem Muster. Der unpopuläre Diktator wurde von seinen Offizieren gestürzt.

Studenten und Bergarbeiter, die jetzt gegen Paz rebellieren, hatten Paz einst, vor 13 Jahren, in den Sattel geholfen. Damals war er populär. Er verstaatlichte die Zinngruben, teilte das Ackerland unter die Indios auf und gab den Analphabeten das Stimmrecht. Seine Maßnahmen brachten soziale Fortschritte, aber wirtschaftliches Chaos. Die Zinnproduktion, Haupteinnahmequelle des Landes, sank von 41 auf 15 Prozent der Weltproduktion. Dafür stiegen die Preise, und es wuchs der Mißmut der Bevölkerung; auch die USA zeigten sich unzufrieden: Sie verlangten, wenn sie weiter Wirtschaftshilfe gewähren sollten, eine Reprivatisierung der wichtigsten Unternehmen. Der Staatsstreich zeigte, daß Paz seinen politischen Kredit aufgebraucht hatte.

Der neue starke Mann des Landes, General Barrientos, hat die Armee hinter sich und scheint rechts und links geachtet, wenn nicht gar beliebt zu sein. Er ist populär – wie Paz, als er die Präsidentschaft übernahm...