In Bonn kreisten die Berge; das Ergebnis: Ein Minimalprogramm der Bundesregierung für die politische Union Europas. Bonn schlägt ein vorsichtiges, schrittweises Vorgehen in zwei Phasen vor.

In der ersten Phase soll nach dem Bonner Plan, der auf der Grundlage der Fouchet-Vorschläge, der Anregungen Spaaks und der Resolutionen des Europäischen Parlaments erarbeitet wurde, der engere Zusammenschluß vorbereitet werden. Regelmäßige Konsultationen der Regierungen über Fragen der Verteidigungs-, Außen- und Kulturpolitik sollen durch die Arbeit eines beratenden Ausschusses ergänzt werden. Dieser "Rat der Weisen", eingesetzt von einer Regierungskonferenz, aber nicht an Weisungen gebunden, soll den Vertrag für eine spätere politische Union ausarbeiten. Auf diese erste Phase der Konsultation und Vorbereitung folgt nach Unterzeichnung des Vertrages die zweite Phase: die Anwendung des Vertrages auf die politische Realität.

In der Wirtschaftspolitik plädiert Bonn für beschleunigte Verwirklichung der Zollunion. Zum 1. Januar 1965 ist eine zusätzliche Senkung der gewerblichen und agrarischen Binnenzölle vorgesehen; die restlichen 20 Prozent auf dem gewerblichen Gebiet sollen zum 1. Januar 1967 beseitigt werden. Parallel zum Zollabbau sollen die Steuern harmonisiert werden.

Die Bonner Pläne wurden im Einvernehmen und auf Drängen de Gaulles ausgearbeitet. Inzwischen freilich scheint Paris an diesen Vorschlägen nicht mehr sonderlich interessiert zu sein. Getreidepreis und MLF liegen de Gaulle mehr am Herzen. Auch die übrigen EWG-Partner reagierten skeptisch. Der Vizepräsident der EWG-Kommission, Sicco Mansholt bezeichnete die Bonner Pläne kurzerhand als eine "Flucht aus der Realität". Bevor an eine politische Union gedacht werden könne, müßte erst einmal Übereinstimmung über die Verteidigungs- und Agrarpolitik erzielt werden. Bonn solle die Getreidepreise senker. "Wir sind nicht bereit, uns zu bücken für die exorbitanten Forderungen eines Teiles der deutschen Bauern."