"Romanische Plastik in Frankreich" heißt ein neuer und vorzüglicher Band in der Reihe der DuMont Dokumente (198 S. mit 62 Abb., 12,80 DM). Wilhelm Messerer, ein jüngerer Kunsthistoriker an der Universität München, gelangt über eine gründliche Analyse bedeutender französischer Skulpturen zu einer generellen, gegenüber der älteren Literatur unabhängigen Wertung des "Romanischen". Daß dabei Beziehungen zur modernen Kunst aufgezeigt, daß Begriffe wie "expressiv", "abstrakt" und "desinteressierte Logik der Formen" als Kriterien verwendet werden, geschieht durchaus nicht in der Absicht, den Gegenstand modisch zu aktualisieren. "Alte Kunst kann, wenigstens im Ansatz, nur von uns her und aus dem, was uns eigen ist, anvisiert und verstanden werden."

Im Lauf der Untersuchungen werden dann gerade auch die Unterschiede zur heutigen Kunst stark akzentuiert: Der geschlossene, gesicherte, immer dichter sich bildende Kosmos der romanischen Kunst lebt aus gänzlich anderen und eigenen Voraussetzungen, die von Messerer als das geistige Fundament für den bloß formalen Stilbegriff des Romanischen präzise definiert werden.

Gottfried Sello