Warum melden sich immer noch Tausende von Freiwilligen? Die Antwort auf diese Frage ist betrüblich für alle diejenigen, die hofften, in der Bundeswehr suchten junge Leute ihr Ideal Lassen wir wieder den Verfasser sprechen: "Man meldet sich freiwillig, um die Wehrdienstzeit möglichst schnell hinter sich zu bringen, um die Zeit, die man sonst auf die Einberufung warte:, nicht zu verlieren. Man meldet sich freiwillig, weil man sich gewisse berufliche Vorteile dadurch erhofft, etwa durch die Ausbildung. Am häufigsten waren finanzielle Erwägungen. Der höhere Sold der Freiwilligen sowie die Abfindungssumme, die bei der Verpflichtung über die gesetzliche Wehrdienstzeit hinaus gezahlt wird, sind für viele entscheidend." Fügen wir noch hinzu, daß ein großer Teil der Befragten genug Unteroffiziere kennt, die als Schleifer berüchtigt sind, so haben wir im ganzen kein erbauliches Bild vor uns.

Doch fehlen auch freundlichere Seiten nicht in der Gesamtdarstellung. "Die Mehrheit der Rekruten denkt gern an ihre Wehrdienstzeit zurück; positiv steht das Erlebnis der Kameradschaft vielen noch im Gedächtnis, negativ hat man weniger Schikanen oder schlechte Behandlung, sondern die schlechte Bezahlung und die geringe Freizeit in Erinnerung, also Momente, die nicht so beunruhigend sind. Die von Vorgesetzten erteilten Disziplinarstrafen werden von den meisten als gerecht empfunden; das Gefühl, sich ohne nachteilige Folgen beschweren zu können, ist gegeben; die Ausbildung wird nur von wenigen als zu hart empfunden, eher findet man sie zu weich; die Rekruten zeigen ein kritisches Empfinden gegenüber übertriebenen Erziehungsmaßnahmen, jedoch ohne allzu große Empfindlichkeit, etwa bei Kraftausdrücken."

Im ganzen ist ein bedeutsames Material zusammengetragen worden. Eine genaue Lektüre bestätigt den Eindruck großer Objektivität bei der Umfrage und ihrer Auswertung. Damit ist eine Grundlage gegeben, mit der Staatsbürger und Sachverständige etwas anfangen können, wenn sie daran gehen, das Verhältnis zwischen Staat, Volk und Bundeswehr zu verbessern.

Heinrich Hoffstede