Yola, ist für mich gleichbedeutend mit Ehrlichkeit. Yola ist ein kleines Dorf im Norden Kenyas und liegt terrassenförmig auf einem Hügel. Man sieht von dort den sagenhaften Rudolph-See, der wie ein grünes Auge aus Nephrit in den Himmel starrt. Das Dorf ist eines der Stammsitze der Digos, eines primitiven Volksstammes in Kenia. Es gibt dort noch Medizinmänner, die Regen herbeizaubern können, und Fruchtbarkeitsritualien sind an der Tagesordnung, die aus grauen Vorzeiten stammen.

Ich hatte in Yola zu tun, und da es sich nicht empfiehlt, Hunderte von Kilometern allein durch die Savannah und Wüste zu fahren, nahm ich einen afrikanischen Begleiter mit. M’Bola stammte aus Nairobi und war dort Reporter bei einem Lokalblatt. Er war ein richtiges Stadtkind, und wie die meisten afrikanischen Stadtmenschen hatte er alle ihre Vorurteile gegenüber den Menschen, die im Busch lebten.

Als wir in Yola ankamen, wollte ich mich gleich beim Stammeshäuptling melden, obwohl er natürlich schon genau erfahren hatte, daß Fremdlinge in sein Dorf gekommen waren. Mein Auto wurde sofort von neugierigen Digos umringt. Da ich den Wagen nicht allein lassen wollte, bat ich M’Bola, auf unsere Sachen aufzupassen. Darauf antwortete er: "Haben Sie keine Furcht, Sir, in Yola gibt es keine Diebe. Die Leute hier sind viel zu unzivilisert."

In der Tat, während meines Aufenthalts wurden selbst Streichhölzer, die ich benutzt hatte, von den Kindern aufgesammelt und mir wiedergebracht. Yola wird immer in meiner Erinnerung haften.

Nieter O’Leary