Die literarische Auseinandersetzung mit der Rätselwelt des Zen hat auch bei uns neuerdings hohe Wellen geschlagen, und schon ist das Stichwort "Zen-Snobismus" gefallen; es erscheint im Untertitel des Bandes

Ernst Benz: "Zen in westlicher Sicht"; Otto Wilhelm Barth Verlag, Weilheim/Obb.; 301 S., 7,80 DM.

Wie zwei andere Bände dieses gedankenreichen Kirchenhistorikers der Marburger Universität –

Ernst Benz: "Asiatische Begegnungen"; Eugen Diederichs-Verlag, Düsseldorf; 301 S., 19,80 DM

Ernst Benz: "Buddhas Wiederkehr"; Nymphenburger Verlagshandlung, München; 276 S., 16,80 DM

ist auch dieses Buch der Niederschlag eines Studienaufenthalts in Ostasien. Was uns als philosophisches System beschäftigt, gewinnt einen anderen Aspekt, wenn der reisende Kirchenhistoriker die Volksreligion des Buddhismus an Ort und Stelle studiert und feststellt, daß sie gerade im Ausstrahlungsgebiet des Kommunismus einen Regenerationsprozeß durchmacht, von der chinesischen Volksrepublik Förderung genießt und an Boden gewinnt. Dies das Thema von "Buddhas Wiederkehr".

In den "Asiatischen Begegnungen" werden die Themen pointillistischer angefaßt. Nicht nur um die heutige Lebenssphäre Japans und Indiens ist es Benz hier zu tun, sondern auch um die Darstellung so traditionsgebundener Komplexe wie etwa der No-Spiele aus lebendiger Anschauung. Eine hieratisch-strenge Ordnung schreibt hier dem Schauspieler die Bedeutung jedes Schrittes, jeder Geste vor. Und doch wird dieses starre Zeremoniell von innen her durchpulst, durch jene gezielte Intuition, die der japanische Zen jedem Künstler gibt – dem Schauspieler wie dem erwähnten "Schwertkünstler" oder dem Tuschemaler. Kunstübung geht hier einen Weg, der weit von dem unseren abliegt – oder doch wieder nicht ganz so weit, wie sich hinterher beim Studium fernöstlicher Quellen herausstellt.