Viel Vertrauen auf eine Verbesserung unseres Aktienrechts bewiesen die Farbenfabriken Bayer. Da die aktienrechtlichen Publizitätsvorschriften, so wurde in Leverkusen gesagt, doch eines Tages erweitert würden, wolle sich das Unternehmen schon im voraus anpassen.

Das Vertrauen könnte mancherorts verwundert registriert worden sein. Die Beratungen über die Aktienrechtsreform in mehreren Legislaturperioden des Bundestages haben manche Hoffnung auf ein zeitgemäßes Aktienrecht welken lassen.

Obwohl auch diesmal kurz vor dem Ende der ausschuß Aktienrechtsreform gefunden wurden, Sitzungsperiode in den strittigen Punkten angeblich durchaus praktikable Lösungen vom Unterist noch keineswegs sicher, daß die Reform des bald dreißigjährigen Aktienrechts bis zum nächsten Sommer über die politische Bühne gebracht werden kann. Die Regierungsvorlage ist in manchem Punkt zugunsten einer etwas stärkeren Stellung des Vorstandes geändert worden. Manches wurde praktikabler. In einigen wichtigen Bestimmungen ist der umgeänderte Gesetzentwurf aber auch weiter von dem vorbildlichen amerikanischen Recht entfernt. Es ist fraglich, ob sich für diese geänderte Fassung eine Parlamentsmehrheit finden läßt.

Gelingt es nicht, so dürfte der nächste Bundestag reformfreudiger ans Werk gehen, gleichgültig, wie die Wahlen ausgehen. Die Entwicklung des Wettbewerbs, des Kapitalmarktes und gesellschaftspolitische Überlegungen werden dazu zwingen. Farben Bayer haben die Zeichen der Zeit erkannt. sim.