Wie ist die Geschichte weitergegangen? werden wir von Lesern der letzten beiden ZEIT-Nummern gefragt.

Nun, sie entwickelte die bezeichnende Neigung, in Telephongesprächen und Privatkorrespondenzen weiterzugehen. Der für eine Zeitungsredaktion naheliegende Wunsch, möglichst viele möglichst genau zu informieren, ist nicht jedermanns Wunsch.

Ziemlich unvermittelt untereinandergestellt finden Sie heute nur kleine Fragmente des großen Themas: eine Stellungnahme des Senats der Universität Bonn und eine sprachanalytische Untersuchung.

Es sei hier auch noch eine zweite Frage beantwortet, die oft an uns gerichtet wird: Sie scheinen manche frühere oder heutige Äußerungen von Hochschullehrern mit bemerkenswerter Milde zu beurteilen – woher dann auf einmal diese Strenge, wo es sich um einen Rektor, handelt, der ja doch nur ein Repräsentationsamt wahrnimmt?

Der die Frage erklärende Relativsatz erscheint uns doppelt falsch; denn der Rektor hört ja nicht auf, Hochschullehrer zu sein, das Repräsentieren kommt also noch hinzu. Und wie unsere höchsten Bildungsanstalten, gleichzeitig auch Träger eines noch immer sehr großen Prestiges, repräsentiert werden, das kann uns in der Tat nicht gleichgültig sein.

Es muß auch eine rein praktische Erwägung zugegeben werden. Gewiß wäre es wirklich wünschenswert, an unseren Hohen Schulen keine Lehrer mehr zu haben, die "das damals Übliche" mitgeredet, mitgeschrieben, mitgetan haben. Aber wer auch nur einigen Einblick hat, wird einen solchen Wunsch als völlig utopisch erkennen. Rolf Seeliger (München 27, Holbeinstr. 22) stellt eine Dokumentation "Braune Universität" zusammen, eine Reihe, in deren erstem Heft bereits 37 namentlich genannten Hochschullehrern nachgewiesen wird, daß sie, die "heute wie gestern wohlbestallte Lehrer unserer akademischen Jugend sind", sich "im Dritten Reich im nationalsozialistischen Sinn ‚arrangierten‘ ". Wir fürchten, die Reihe kann es noch auf viele Hefte bringen. Unter solchen Umständen erscheint es uns wenig fair, einen einzelnen, der einem gerade nicht gefällt, herauszugreifen und ihn zum Sündenbock zu machen; noch weniger fair, wenn dem Beschuldigten die publizistischen Möglichkeiten der Anklage vorenthalten werden.

Da liegen die Dinge denn doch wohl anders, wenn aus den vielen der eine sich selber herausliebt: beispielsweise, um Rektor zu werden. Ein solcher Mangel an Leuten, die sich während des-Dritten Reiches nichts, aber auch gar nichts haben zuschulden kommen lassen, besteht an unseren Hochschulen nicht. Es muß möglich sein, als Visitenkarte unserer Universitäten Gelehrte zu präsentieren, die keinerlei Unbehagen verursachen.

D. Z.