DIE ZEIT

Erhards Ära – schon vorbei?

Eugen Gerstenmaier ist ein ehrenwerter Mann. Er hat Mut bewiesen in Deutschland düsterster Zeit – als solcher Mut viele an den Galgen von Plötzensee brachte.

Glücklose Initiative

Die seit langem angekündigten, in der vorigen Woche schließlich überreichten Vorschläge der Bundesregierung zur Förderung der europäischen Zusammenarbeit sind bescheiden.

Jaguschs Fall

Es ist ein weiter Weg von der Gewissensnot zum Bekennermut. Heinrich Jagusch, einer der angesehensten Juristen der Bundesrepublik, Präsident des 4.

Waffenruhe auf Zeit

Das Photo, das von Moskau aus um die Welt lief, demonstrierte Eintracht: ein Handschlag zwischen dem sowjetischen Ministerpräsidenten Kossygin und seinem Gast aus Peking, dem chinesischen Ministerpräsidenten Tschu Enlai.

Bayerns politisches Wunderkind

Äußerlich ist nichts Auffallendes an ihm. Er würde, trüge er ein hochgeschlossenes, schwarzes Gewand, vielleicht einem Kaplan ähneln.

Zeitspiegel

"Es hat manchmal den Anschein, als ob die Ratlosigkeit und der Mangel an Ideen in Politik und Publizistik immer mehr dazu neigen, nur noch die Spalten der Skandalchronik, durch Unterstellungen, Verunglimpfungen und Verleumdungen unter Zuhilfenahme von Staatsanwälten und Richtern einen jämmerlichen Ersatz für Politik zu suchen.

Egon Bahr und die Detektive

Ein kleiner Berliner Stoffbär, obligatorische Gabe an Touristen und Offizielle, wurde im politischen Porzellanladen Berlin zur Elefantengroße aufgeblasen, teilweise wohl in der Hoffnung, daß sich der Regierende Bürgermeister Willy Brandt an den zu erwartenden Scherben verletzte.

MLF – Kitt oder Keil?

MLF – um diese drei Buchstaben wird sich die westliche Politik in den nächsten Wochen und Monaten vor allen Dingen drehen. Sie bezeichnen das Projekt einer multilateralen Atomflotte, das die nukleare Strategie des Westens auf einen gemeinsamen Nenner bringen soll.

MLF Daten und Fakten

Die MLF hat einen militärischen Zweck und einen politischen. Militärisch soll sie wenigstens zum Teil ein Gegengewicht gegen die 800 sowjetischen Mittelstreckenraketen sein, die ausschließlich auf westeuropäische Ziele gerichtet sind.

Nach Ohlas Sturz

Im Landtagswahlkampf in Niederösterreich war Franz Olab mit Außenminister Bruno Kreisky und dem Landeshauptmann-Stellvertreter Otto Tschadek noch eines der Zugpferde der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ).

Was will Wilson?

Nebel pflegt in London niemanden zu erregen, schon gar nicht im November. Aber am Montag dieser Woche war die ganze Stadt in Erregung, weil nach einem sonnigen Herbstmorgen am Nachmittag Nebelschwaden den Himmel verdüsterten.

Unbequeme Wahlfragen

Italien wählt am 22. November seine Gemeinde- und Provinzräte. Als einzige versuchen die Kommunisten beharrlich, wenngleich erfolglos, die Wahlpolemik auf kommunaler Ebene zu führen.

Ein Hauch von Unsterblichkeit

Der Versuch Adenauers, "die Schwierigkeiten zwischen Paris und Bonn aufzuhellen", hat ihm zumindest einen Prestigeerfolg eingetragen.

Johnson bleibt hart

Als Lyndon Johnson am Tag nach der Präsidentenwahl auf der Ranch in Texas mit dem neugewählten Vizepräsidenten Humphrey seinen Sieg feierte, zeigte er seinen Gästen hoch zu Roß, wie ein gewandter Reiter einen Stier von der Herde abdrängt und ins Gehege treibt.

August Dresbach

Einer, der immer lieber geschrieben und gesprochen als agiert oder gar repräsentiert hat, ist August Dresbach, seit 1949 Mitglied des Bundestages.

Wolfgang Ebert:: Die geheime SPD

Das ist ja unglaublich – der auch?" rief ich entgeistert meinem CDU-Freund und Bonner Gewährsmann B. nach. Erstrebte vor mir durch das Bundestags-Restaurant einem einigermaßen abhörsicheren Platz zu, warf mir aber einen warnenden Blick zu, weil wir gerade an Barzel vorbeigingen.

Barry Goldwaters trauriges Erbe

Was für Schwergewichtsboxer gilt, die imKampf um die Weltmeisterschaft verloren haben, trifft auch für amerikanische Präsidentschaftskandidaten zu, die in der politischen Arena unterlegen sind: They never come back – sie kommen nicht mehr zurück.

Berlins "Spiegel-Affäre"

Massiver Kritik mußte sich in der vergangenen Woche Berlins Bürgermeister Willy Brandt erwehren. Die Aufregung über die Ungeschicklichkeiten des Senatspresseamtes, das Absender von Leserbriefen aufspüren ließ, die sich über die Ablehnung von Passierscheinanträgen beschwert hatten, war noch nicht vorüber, da hatte Berlin seine kleine "Spiegel-Affäre".

Wilsons Feuertaufe

Die Regierung Wilson hat ihre Feuertaufe im britischen Unterhaus bestanden. Ein Mißtrauensantrag der konservativen Opposition, der sich gegen die Absicht der Labour-Regierung richtete, die Stahlindustrie zu verstaatlichen, wurde mit 307 gegen 300 Stimmen abgelehnt.

Von ZEIT zu ZEIT

Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte anläßlich seiner Aufnahme in die französische "Akademie für Moralische und Politische Wissenschaffen" in Paris eine Unterredung mit Charles de Gaulle.

Namen der Woche

Hellmuth Heye, umstrittener Wehrbeauftragter des Bundestags, ist auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt entlassen worden.

Die Sieger der Wahlen in den USA: Johnson und Humphrey

Johnsons Wahlsieg über Goldwater kam einem politischen Erdrutsch gleich. Der Präsident eroberte 61,3 Prozent der Wählerstimmen (mehr als Roosevelt bei seinem Rekordsieg im Jahre 1936) und, mit Ausnahme von fünf Südstaaten und Arizona, alle übrigen Staaten des Landes.

"De Gaulle würde sofort schießen"

"Bei der heutigen technischen Entwicklung muß man sich die Frage stellen: Werden die Amerikaner rechtzeitig genug den Einsatzbefehl geben können? De Gaulle, daran habe ich keinen Zweifel, würde, wenn wir angegriffen werden, sofort schieben.

Freundschaft mit manchen Vorbehalten

Auf der Prominententribüne am Roten Platz, vor der die Parade zum 47. Jahrestag der Oktoberrevolution abrollte, stand auf dem Ehrenplatz zwischen Parteichef Breshnew und Regierungschef Kossygin der Gast aus Peking: Ministerpräsident Tschu En-lai.

Ikedas Nachfolger

Nach zweiwöchigen internen Machtkämpfen hat die regierende Liberal-Demokratische Partei Japans den Nachfolger für den an Kehlkopfkrebs erkrankten Ministerpräsidenten Ikeda gefunden: den 63jährigen Eisaku Sato.

Boliviens 180. Revolution

Es begann ganz harmlos: Studenten in der Andenstadt Cochabamba zogen mit Plakaten durch die Straßen, auf denen zu lesen war: "Herunter mit den Universitätsgebühren!" Andere Studenten schlossen sich ihnen an, und sie trugen Plakate mit gefährlicheren Parolen: Nieder mit Paz! Gemeint war Paz Estenssoro, der Präsident von Bolivien.

Die neuen Herren

In Moskau wird jetzt wieder viel von "kollektiver Führung" gesprochen. Unwillkürlich erinnert man sich der Phasen nach dem Tod Lenins im Januar 1924 und nach dem Tod Stalins im März 1953.

Noch kein Ende der Strategie?

Im Ersten Weltkrieg schien sich die Strategie als Wissenschaft selbst ad absurdum geführt zu haben. Stellungskrieg und Materialschlachten paßten nicht mehr in ihr überkommenes Bild.

Hitlers "Lebensraum"

Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918–1945. Aus dem Archiv des Deutschen Auswärtigen Amtes, Serie D 1937–1945, Bd. VIII (783 S.

Die Rolle der SS

Hans Buchheim vom "Institut für Zeitgeschichte" in München erstattete im Auschwitz-Prozeß ein Gutachten über "Die Organisation von SS und Polizei unter nationalsozialistischen Herrschaft", das die "Studiengesellschaft für Zeitprobleme" nunmehr in der Originalfassung vorlegt.

Ein arabischer König

Der Aufstieg eines ins "leere Viertel", der grausamsten Wüste der Welt, Vertriebenen zum mächtigen Herrscher Urarabiens ist so phantastisch, daß er Gelehrte wie Literaten gleichermaßen zu einer Darstellung eines so wechselvollen Lebens reizen mußte.

Bürger gegen Bismarck

"Crucial periods" nennen die Angelsachsen jene Zeiträume, in denen sich aus dem Zusammenprall bewegender und beharrender Kräfte die bis in die Gegenwart hineinwirkenden politischen Herrschaftsverhältnisse einzelner Länder herausgebildet haben.

Die Bundeswehr, nüchtern gesehen

Die Illustrierte "Stern" hat zusammen mit dem Institut Infratest erforscht, wie die Bevölkerung über die Bundeswehr denkt. Das Ergebnis liegt in diesem Buche vor.

Goldwater

Goldwater ist bei den Präsidentenwahlen geschlagen worden. Aber damit werden seine Ansichten, die von Millionen Amerikanern geteilt werden, nicht gleichgültig.

Mittwoch, 4. November, das Hörspiel:: Der Gesandte

Der Autor von "Zeit der Schuldlosen" und "Das Gesicht", Siegfried Lenz, kommt von Schuld und Verantwortung nicht los. In seinem jüngsten Drei-Personen-Hörspiel "Der Gesandte" (Gemeinschaftsproduktion des Norddeutschen mit dem Bayerischen Rundfunk) legen sich Schuldkrusten aufeinander.

Film

"Junge Aphroditen" (Griechenland; Verleih: Constantin): Der erst 36jährige Nicos Koundouros, der namhafteste griechische Regisseur nach Cacoyannis, soll "Junge Aphroditen" (1963) nach Theokrits "Idyllen", vor allem aber nach "Daphnis und Chloe", dem auch von Goethe bewunderten Hirtenroman von Longus (wohl zweites oder drittes Jahrhundert n.

Mabuse, Caligari und der letzte Mann

Vier alte deutsche Stummfilme hat die Firma Atlas in ihre Verleihstaffel aufgenommen. Mit dem Angebot des Tages konkurrieren: Robert Wienes "Das Cabinett des Dr.

Das Beispiel

Mit der ihm eigenen List ist der Schriftsteller Dürrenmatt seit Jahren dabei, eine praktikable Berner Dramaturgie zu entwerfen.

Teamwork oder Nichtsein

Der Tradition entfremdet und dem Nachwuchs nicht förderlich – das sind also unsere Hochschulen. Immerhin sind es nicht mehr "durchgefallene Studenten", die solche Verdikte fällen, sondern die Hochschule fällt sie über sich selbst.

Zeitmosaik

Maurice Béjart hat wahrgemacht, was seine Freunde vor einiger Zeit noch für einen Scherz hielten: In Anwesenheit des belgischen Königspaars tanzte sein Ballett des Zwanzigsten Jahrhunderts in Brüssel die Ode an die Freude aus Beethovens Neunter Symphonie.

Stellungnahme des Senats der Universität Bonn

Unter Bezug auf das Ferngespräch, das der Kanzler der Universität, Eberhard Freiherr von Medem, am 2. November 1964 mit Ihnen geführt hat, übersenden wir Ihnen den nachstehenden Wortlaut der Stellungnahme des Senats vom 2.

Unsere Sprache: Weltjudentum

Für die Diskussion um Moser ergeben sich aus den herangezogenen Texten sprachliche Argumente, die bisher von den Verteidigern Mosers nicht beachtet worden sind.

Kleiner Kunstkalender

Angenommen, wir hätten eine Art Seitenfeuer für Künstler, der nach der Zahl ihrer Ausstellungen errechnet würde; dann hätte HAP Grieshaber seit Jahr und Tag die Position des Spitzenreiters.

In Sachen der Universität Bonn und ihres neuen Rektors

Nun, sie entwickelte die bezeichnende Neigung, in Telephongesprächen und Privatkorrespondenzen weiterzugehen. Der für eine Zeitungsredaktion naheliegende Wunsch, möglichst viele möglichst genau zu informieren, ist nicht jedermanns Wunsch.

Preise – für wen?

Warum wird ausgerechnet für den Film, für dieses umstrittene Kunstprodukt, das bisher mehr der geistigen Verflachung als der Förderung der Kultur diente, eine Unterstützung in Form eines staatlichen Ehrenpreises beantragt, solange es noch keine Bundespreise für schöpferische Taten gibt, die sich als echte Kunst verdient gemacht haben, wie die auf den Gebieten der Literatur, Malerei, Bildhauerei? Warum keinen Bundespreis für Wissenschaften? Sollte aber dem Film als einem "Volkserziehungsmittel" soviel an Bedeutung beigemessen werden, wäre es noch viel wichtiger, die Arbeit von Pädagogen, Lehrern und Hochschulprofessoren auszuzeichnen, denen in erster Linie die Erziehung des Volkes in die Hand gegeben ist.

+ Weitere Artikel anzeigen