David Hansemann, einer der größten deutschen Bankiers des vorigen Jahrhunderts, wäre sicherlich verwundert gewesen, wenn er erfahren hätte, welche Geschäfte seine Nachfahren in den Jahren nach der Währungsreform gemacht haben. Sie waren nämlich derart, daß jetzt die Johannes Haag AG, Berlin/Düsseldorf, ein Vergleichsverfahren beantragen mußte. Aufsichtsratsvorsitzender ist der Oberbürgermeister a. D. Fritz Hansemann, der allerdings ausdrücklich erklärte, daß er nicht Großaktionär der Haag AG, sondern nur Aktionär dieser Gesellschaft sei. Die Johannes Haag AG mußte erst Ende des vergangenen Jahres durch eine Kapitalherabsetzung im Verhältnis 100 : 1 (von zwei Millionen auf 20 000 DM) und durch eine anschließende Wiedererhöhung des Kapitals auf 1,52 Millionen saniert werden. Eingesprungen ist die Großaktionärsgruppe, denn die wenigen freien Aktionäre ließen sich nach der Kapitalzusammenlegung im Verhältnis 1 : 1 abfinden.

1964 ist nun die Johannes Haag AG erneut in Schwierigkeiten geraten. Ein Teil der in den früheren Jahren hereingenommenen Aufträge habe nur mit Verlust abgewickelt werden können. Dadurch sei – wie die Verwaltung behauptet die Liquidität aufgezehrt worden. Es ist bezeichnend, daß diesmal die Finanzgruppe Hansemann/Münch, die in den letzten Jahren zwischen 10 und 20 Millionen in Industrieengagements gesteckt haben dürfte, nicht mehr in die Bresche sprang, obwohl es für sie sicherlich nicht angenehm sein kann, über ein peinliches Vergleichsverfahren in die Öffentlichkeit gezogen zu werden. Man darf wohl deshalb annehmen, daß die Taschen der Gruppe keine Sanierungsmittel mehr hergeben.

Nach dem Expansionsdrang, den namentlich der 34jährige Peter Münch in den letzten Jahren an den Tag gelegt hat, wäre das auch kein Wunder. Er besaß eine merkwürdige Vorliebe für Unternehmen, die billig zu haben waren, natürlich nur deshalb, weil sie nicht zu den ertragskräftigsten zählten. Von einigen Banken wurde der junge Konzernbauer mit dem guten Namen Hansemann im Hintergrund durch Kredite kräftig unterstützt, nicht zuletzt deshalb, weil seine unternehmerische Konzeption, die offenbar auf die Schaffung eines Baukonzerns abzielte, bestechend erschien.

Münch interessierte sich vornehmlich für Gesellschaften, die nach dem Kriege in Mitteldeutschland oder in den Ostgebieten ihre Existenzgrundlage, aber nicht ihren guten Namen verloren hatten. Dazu zählten unter anderen:

Johannes Haag AG (Heizungs- und Lüftungsbau),

Boswau & Knauer AG, Düsseldorf (Baugesellschaft),

Gottfried Lindner AG, Nürnberg (früher Waggonfabrik, heute reine Vermögensverwaltungsgesellschaft),