ZIELE

Die MLF hat einen militärischen Zweck und einen politischen. Militärisch soll sie wenigstens zum Teil ein Gegengewicht gegen die 800 sowjetischen Mittelstreckenraketen sein, die ausschließlich auf westeuropäische Ziele gerichtet sind. Politisch soll das geplante Gemeinschaftsprojekt den Wunsch der Westeuropäer nach Mitbestimmung über die strategischen Waffen der Vereinigten Staaten erfüllen und den Zusammenhalt der atlantischen Allianz fördern.

VORGESCHICHTE

Pate bei der MLF-Idee stand ein Vorschlag des ehemaligen NATO – Oberbefehlshabers General Norstad, die NATO zur "Vierten Atommacht" zu erheben (1959). Im Sommer 1960 wurde in einer Geheimstudie des Harvard-Professors Bowie der erste Plan für eine multilaterale Atomstreitmacht zur See umrissen. Das gegenwärtige MLF-Projekt geht auf eine Analyse der amerikanischen Marine zurück, die von April bis Juni 1962 ausgearbeitet wurde: sie erklärte eine gemeinsame Atomflotte von Überwasserschiffen für sinnvoll und praktikabel. Im Oktober und Dezember 1962 wurden die Schlußfolgerungen dieser Studie zum erstenmal im Pariser NATO-Hauptquartier und in einigen westeuropäischen Hauptstädten vorgetragen. Durch das britischamerikanische Abkommen von Nassau (Dezember 1962) wurden die Vorverhandlungen zunächst einmal verwirrt, aber schon im Januar 1963 wurden sie wieder aufgenommen. Nach de Gaulles Nein zu Nassau und dem britischen EWG-Beitritt betrachtete Washington die MLF als wichtigstes Instrument zur politischen Integration der NATO.

VERHANDLUNGEN

Mitte Oktober 1963 nahmen Vertreter von sieben Nationen Verhandlungen über die MLF auf: USA, Großbritannien, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Belgien, Griechenland, Türkei. Als achter interessierter Staat gesellte sich wenig später Holland hinzu. Die Teilnahme an den Verhandlungen besagte jedoch noch keine endgültige Zustimmung. Ein Militärausschuß legte im Frühjahr 1964 einen Bericht vor, der die Frage der Überlebensfähigkeit, Verwundbarkeit und Operationsmcglichkeit eine MLF-Überwasserflotte eingehend analysierte. Seine Schlußfolgerung: Die geplante Streitmacht genügt allen militärischen Ansprüchen. Seit Juni tun nun auf dem amerikanischen Raketenzerstörer "Claude V. Ricketts" Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere aus sieben der MLF-interessierten Staaten Dienst, um das Prinzip der nationalgemischten Bemannung zu erproben (nur Belgien ist diesem Experiment ferngeblieben). Die Diplomaten in Paris arbeiteten derweil an den völkerrechtlichen Detailfragen der MLF. Ein Vertragsentwurf sollte nach den ursprünglichen Plänen bis Ende des Jahres unterzeichnungsreif sein.Britische Änderungswünsche haben diesen Termin jetzt in Frage gestellt.

MLF-CHARAKTERISTIKEN