Von Wolfgang Müller-Haeseler

Die Frau des Hauses unterdrückte nur mit Mühe ein kräftiges Wort, das sich für eine Dame nicht schickt, und auch der Hausherr schaute nicht sonderlich glücklich drein, als die Tagesschau des Fernsehens seiner Frau ein r.eues Argument zur Unterstützung ihrer Bitte um Erhöhung des Haushaltsgeldes lieferte. Auf zwei Sätze gebracht verkündete der Nachrichtensprecher, daß die Markenbutter vom 1. November an um 14 Pfennig je Kilo teurer werde. Nach der Milchmarktordnung der EWG werde der Fettgehalt der Butter um 2 Prozent von 80 auf 82 Prozent heraufgesetzt.

Also ist es doch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die die Preise bei uns in der Bundesrepublik in die Höhe treibt? Frau Meyer muß im Durchschnitt jetzt 2 Pfennig je halbem Pfund Butter mehr über die Theke reichen, und Frau Müller hat das Pech, daß ihr Kaufmann ihr sogar 4 Pfennig mehr abnimmt. Zum Ausgleich hat Frau Schulze dagegen von der Preiserhöhung noch gar nichts gemerkt und bezahlt nach wie vor den alten Preis. Im großen Schnitt also ist die Butter nur um etwa 8 Pfennig je Kilogramm teurer geworden, so daß sich die ersten Befürchtungen nicht bewahrheitet haben.

Diese Entwicklung kommt um so überraschender, als die Großmarktnotierungen nach der Umstellung der Butterproduktion auf den höheren Fettgehalt tatsächlich von 6,60 bis 6,70 Mark Ende Oktober auf 6,70 bis 6,85 Mark zu Beginn dieses Monats heraufgegangen sind. Daß diese Preiserhöhung nicht voll bis zu den Einzelhändlern von Frau Meyer, Müller oder Schulze durchgeschlagen hat, hat zwei Gründe. Der erste ist ohne weiteres einleuchtend. Der Handel hatte nämlich in den letzten Monaten in Erwartung der Preiserhöhung kräftig eingekauft. Die Lagervorräte beim Handel betragen zur Zeit etwa 10 000 Tonnen. Das entspricht ungefähr einem Wochenbedarf. Da aber die Butterproduktion in diesem Herbst nicht – wie saisonüblich – wesentlich zurückgegangen ist, drücken die Vorräte auf den Preis.

Der zweite Grund ist etwas komplizierter. Der Butterpreis ist in der Bundesrepublik nicht staatlich reglementiert. Das bedeutet aber nicht, daß das Bundesernährungsministerium tatenlos zusehen will, daß der Butterpreis durch ein Überangebot ins Bodenlose fällt und damit die mühsam aufgebaute Einkommensstruktur der Landwirtschaft durchlöchert. Deshalb wurde neben einer Importregelung noch eine andere "Bremse" eingebaut.

Wenn die freie Marktnotierung unter einen festgesetzten Mindestpreis fällt, können die Molkereien ihre Butter zu diesem Mindestpreis an die staatlichen Einfuhr- und Vorratsstellen (EVSt) liefern. Der durchschnittliche Marktpreis liegt gegenwärtig bei 6,83 Mark je Kilo, während der sogenannte Interventionspreis der EVSt bei 6,78 Mark liegt. Bei diesem Weg ist die Molkerei allerdings verpflichtet, besondere Vorschriften hinsichtlich der Haltbarkeit und der Verpackung einzuhalten. Außerdem muß sie eine Rücknahmeverpflichtung abgeben, die nach zwei Monaten wirksam wird. Dann kann die Ware nur noch als Molkereibutter zu einem niedrigeren Preis auf den Markt gebracht werden.

In der Praxis hat sich nun herausgestellt, daß die Molkerei die Butter auch unter dem Preis von 6,78 Mark direkt am Markt verkauft, weil die Auflagen der EVSt, zu denen auch die Übernahme der Transportkosten gehört, den Interventionspreis doch noch anknabbern. Da nun die Notierungen im Bundesgebiet für frische Markenbutter zwischen 6,70 und 6,85 Mark schwanken, ist es durchaus erklärlich, daß die Hausfrauen an verschiedenen Plätzen auch unterschiedliche Preise zahlen.