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Geschmack überhaupt nicht bemerkbar – ist der Handel weniger zufrieden. Er sieht sein Geschäft gefährdet: "Der Butterverbrauch in Deutschland hat ohnehin seine oberste Grenze erreicht. Es darf nichts geschehen, was den Verbraucher verärgert." Tatsächlich scheint der Butterverbrauch seinen Zenit bereits überschritten zu haben. 1963 betrug er je Kopf der Bevölkerung genau 9,2 Kilogramm; seit Anfang dieses Jahres sinkt er Monat für Monat.

Die Molkereien sind mit dem Bundesernährungsministerium unzufrieden: "Es ist doch ein Unding, wenn man den Bauern einen attraktiven Milchpreis bieten will, den Interventionspreis der EVSt aber unter dem Marktpreis festsetzt", meinte der Leiter einer großen Molkerei. Für den Bauern wirkt sich vorerst die neue Ordnung weder positiv noch negativ aus. Für ihn liegt das attraktivere Geschäft ohnehin bei den Lieferungen für Trinkmilch und für die Milchveredelungsprodukte. Er wird also wie bisher soviel Milch wie möglich für diese Sparten abliefern und nur die Milch zum Verbuttern geben, die er anderweitig nicht los wird. Und die Milch für die Butterproduktion wird nach dem Fettgehalt bezahlt, so daß die Zusammensetzung der Butter ohne Einfluß auf den bäuerlichen Geldbeutel Lleibt.

Wie geht es aber nun weiter? Wird sich der deutsche Buttermarkt nun bis in alle Ewigkeit gegen eine Konkurrenz zu wehren haben, die wie im Fall Holland mit größeren Subventionen arbeiten kann? Die EWG-Kommission in Brüssel hat sich da etwas einfallen lassen. Sie umging die Hürde der umstrittenen Subventionen wenigstens teilweise. Sie setzte nämlich im Einverständnis mit den sechs EWG-Regierungen einen einheitlichen Richtpreis für Milch fest, den der Erzeuger erhalten soll.

Alle Subventionen, die den Erzeugern in den einzelnen Ländern einen höheren Preis gewähren, sollen in der 1970 endenden Übergangszeit der EWG jedes Jahr um ein Siebentel abgebaut werden, so daß 1970 die Milcherzeuger in allen Ländern von der gleichen Ausgangsbasis aus operieren können. Es gibt auch in Bonn Skeptiker, die fürchten, daß insbesondere die auf diesem Gebiet sehr empfindlichen Franzosen wieder eine Hintertür für die eine oder andere eigentlich nicht mehr erlaubte Hilfestellung für ihre Bauern finden werden. "Aber soll daran die EWG scheitern?" fragt man sich in Bonn.

Für die deutschen Verbraucher besteht bisher kein Grund, mit der bisherigen Entwicklung in der EWG unzufrieden zu sein. Gerade auf dem jetzt so viel diskutierten Milchproduktenmarkt schneidet die Bundesrepublik recht günstig ab. Bei den Durchschnittspreisen des Großhandels liegt Deutschland – wie unsere Tabelle zeigt – fast durchweg an letzter oder vorletzter Stelle.

Das Bundesernährungsministerium hat also die Verbraucher entschieden zu früh aufgescheucht, wenn es schon vor dem 1. November von einer Verteuerung der Butter sprach. Es wird zwar von keiner Seite abgestritten, daß der Butterpreis in Zukunft anziehen kann, dann nämlich, wenn die Eigenproduktion in der Bundesrepublik, die gegenwärtig fast den eigenen Bedarf deckt, nicht mehr der Nachfrage folgen kann, und diese Nachfrage nicht mehr aus den EWG-Ländern, sondern außerhalb der Gemeinschaft gedeckt werden muß. Durch einen komplizierten Mechanismus käme dann ein Preis zustande, der um schätzungsweise 40 Pfennig über dem heutigen Preis liegen würde. Angesichts der Vorräte in der EWG wird das aber in diesem Jahr kaum noch der Fall sein.

Einen Vorteil hat Frau Meyer im übrigen so nebenbei mit der Milchmarktordnung mitbekommen. Seit dem 1. November muß die Gewichtsangabe rein netto sein. In der Gewichtsangabe: "250 Gramm" darf künftig die Verpackung nicht mehr enthalten sein. Pro halbes Pfund Butter macht das immerhin zwischen 3 und 4 Gramm aus.