P. S., Bonn

Im lieblichen Bad Honnef am Rhein ringt ein junger Perser um Anerkennung und Unterstützung, nicht für seine Person, sondern für den "Kraftsportverein Siebengebirge", dessen Gründer und Vorsitzender er ist. Ali Mohit ist 33 Jahre alt, mit einer deutschen Frau verheiratet und Vater eines Kindes. Seine Tage gehören dem Studium der Landwirtschaft in Bonn, wo er kurz vor dem Diplom steht, seine Abende und seine Freizeit aber dem Kraftsport. Der muskulöse Perser war im Alter von 19 Jahren Meister des Iran im Ringen der Weltergewichtsklasse; mit einem Freund gründete er damals in seiner Heimat einen Sportklub, in dem heute mehr als 1000 Mitglieder Kraftproben ablegen.

Kraftsport ist für Ali eine Art Weltanschauung und soziale Verpflichtung: "Unsere Bestrebungen gehen dahin, möglichst viele Jugendliche von der Straße abzuhalten und sie mit dem Körperertüchtigungssport vertraut zu machen. Auf diese Weise wollen wir unsere Mitglieder vor übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuß schützen und so auf eine Gesunderhaltung ihres Körpers hinwirken."

1956 kam Ali Mohit mit einem Freund zum Studium in die Bundesrepublik, 1957 schickte ihm die "Organisation für Tarbiat-Badany" (körperliche Erziehung und Pfadfinder) eine Bescheinigung, die ihn als Berichterstatter dieser großen Vereinigung für Deutschland ausweist. Die beiden jungen Perser traten in den renommierten Kraftsportverein "Essen 88" ein, wo sie vor allem bei den Gewichthebern trainierten. Nach Abschluß der Trainingsstunden riefen Ali Mohit, sein Freund und die deutschen Vereinsmitglieder gemeinsam den Sportlergruß "Kraft Heil!" Mohit erinnert sich gern an seine Essener Zeit: "Ich lernte dort viele bekannte Sportler kennen."

Studienhalber übersiedelte Ali Mohit nach Bad Honnef und wurde Mitbürger der Familie Conrad Adenauer, die im Honnefer Stadtteil Rhöndorf lebt. In der kleinen Bäderstadt hatte es bis etwa 1944 einen angesehenen Kraftsportverein gegeben, der damals viel Anklang und Förderer gefunden hatte. Ali Mohit, nach wie vor vom Kraftsport besessen, knüpfte an die Tradition an und gründete Anfang 1964 nach monatelangen Vorbesprechungen und Treffen mit jungen Sportfreunden den "Kraftsportverein Siebengebirge".

Rasch fand sich eine stattliche Zahl sportbegeisterter junger Kräfte aus Bad Honnef und Umgebung, die einmal in der Woche in einer Halle im nahen Selhof trainierten. Auf kleinen blauen Ausweisen sind die Mitgliedschaft und die Beiträge vermerkt. Ali Mohit, immer noch beim Ringen und Stemmen in erstklassiger Form, wurde unumstrittener und geschätzter Vorsitzender und Trainer. Als die Selhofer Halle nicht mehr zur Verfügung stand, verlegten die Honnefer Kraftsportler ihr Training in die Hall; des Jesuiten-Hofes im benachbarten Königswinter. Als aber in diesem Drachenfels-Städtchen, einem Hauptausflugsziel am Rhein zwischen Koblenz und Köln, die Sommersaison ausbrach, war die Halle für sportliche Zwecke nicht mehr frei.

Zur räumlichen Misere kamen nun auch Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Übungsgeräten. Bisher hatten die Vereinsmitglieder unter Mohits Anleitung die Hanteln und sogar die Bodenmatten selber angefertigt, weil kein Geld zum Kauf vorhanden war. Aber die Eigenbau-Utensilien genügten den Anforderungen bald nicht mehr. Nun wandte sich Ali Mohit mit einem höflichen Brief an wohlhabende Bürger und Sportinteressenten in Bad Honnef. Er schilderte seine ideellen Ziele und sachlichen Bemühungen, wies auf die Kosten für Geräte und Saalmieten hin und erklärte, daß die jungen Mitglieder des Kraftsportvereins selber schon erhebliche finanzielle Opfer gebracht hätten.