Nichts ist verständlicher als das Interesse für Bücher wie "Die Clique" oder "Der Schlüssel"

Von Marcel

Hunderttausende von Bürgern der Bundesrepublik haben in diesem Herbst den Roman "Die Clique" von Mary McCarthy gekauft und gelesen. Und viele werden es vermutlich in nächster Zeit noch tun.

Es handle sich jedoch, hört man, um einen manipulierten Erfolg. Ich glaube nicht daran. Es ist richtig, daß für das Buch seit Monaten mit ungewöhnlicher Intensität geworben wird. Gewiß hat man dadurch den Absatz erheblich gesteigert. Vielleicht wäre – hätte sich die Reklame in den üblichen Grenzen gehalten – nur die Hälfte oder sogar nur ein Drittel des bisherigen Verkaufs erzielt worden. Niemand kann das beweisen.

Hingegen kann man beweisen, daß diese Hälfte oder dieses Drittel schon genügt hätte, um der "Clique" einen der ersten Plätze auf den diesjährigen westdeutschen Bestsellerlisten zu sichern. Wir haben es also, meine ich, nicht mit einem vorfabrizierten oder manipulierten Erfolg zu tun, sondern lediglich mit einem durch die Werbung potenzierten oder multiplizierten Verkaufsergebnis.

Kein Zweifel nämlich, daß dieser Erfolg ebenso gute wie einleuchtende Gründe hat. Ich halte "Die Clique" zwar nicht für ein bedeutendes Kunstwerk der Epik, wohl aber für ein beachtliches, trotz mancher Einwände gutes und auf jeden Fall sehr lesenswertes Buch. Und lesenswert ist es besonders dank den Kapiteln und Szenen, die sexuelle Phänomene betreffen. Deshalb vor allem – ich bin davon überzeugt – greifen Hunderttausende zu dem Roman der Mary McCarthy.

Es fällt auf, daß auch mehrere andere Bücher, die in den letzten Jahren in der Bundesrepublik ein außerordentlich starkes Echo gefunden haben und weiterhin finden, mehr oder weniger ausführliche Darstellungen von Vorgängen und Erscheinungen aus der Sexualsphäre enthalten. Das gilt, beispielsweise, für Nabokovs "Lolita", Lawrences "Lady Chatterley" und Tanizakis "Schlüssel", für die Romane von Lawrence Durrell, Alberto Moravia und, vor allem, von Henry Miller.