Es gibt keine befruchtende Idee in der deutschen Universitäts-Tradition, die unsere Hochschulen so gewollt hat, wie sie heute tatsächlich sind.

Prof. Ralf Dahrendorf, im "Hochschulführer", Hamburg, 1964

Der gegenwärtige Aufbau des Lehrkörpers unserer Hochschulen ist der Entfaltung des akademischen Nachwuchses nicht förderlich.

Bericht der Eidgenössischen Experten-Kommission an den Bundesrat in Bern, 1964

Der Tradition entfremdet und dem Nachwuchs nicht förderlich – das sind also unsere Hochschulen. Immerhin sind es nicht mehr "durchgefallene Studenten", die solche Verdikte fällen, sondern die Hochschule fällt sie über sich selbst. Ein Lichtblick also? Aber warum geschieht dennoch nichts? Da ist die Frage: Soll die Reform auf der (vergessenen) Tradition aufbauen oder auf dem amerikanischen System? Den originellsten Beitrag zu dieser Frage gibt Dahrendorf (loc. cit.), indem er in den "graduate schools" der USA Humboldts Nachfolge wiedererkennt, "Einsamkeit und Freiheit" also, Lebenselixier und mixtura solvens wissenschaftlicher Erkenntnis. Was bedeutet das? Nun, wer aufpaßte, hat es läuten hören: Hier wurde einem Prinzip das Grab bereitet, welches süß in unsern Ohren klang von jenseits des Wassers: Teamwork. Denn Teamwork bedeutet ja Gemeinsamkeit und damit einen gewissen Verzicht auf Freiheit.

Teamwork ist freilich ein arg strapazierter Begriff in der "mondänen" Hochschulkritik An ihm scheiden sich die Geister: Die einen leugnen es schlechthin, die andern halten Faust und Mephisto für "auch ein Team". Waren aber nicht Goethe und Schiller ein Team, als sie die Xenien schrieben?

In einem idealen Team gilt: