Drei Monate lang ließ IMP I nichts mehr von sich hören. Der Forschungssatellit, der bis dahin fleißig die Ergebnisse seiner magnetischen Feldvermessung aus der Ionosphäre zur Erd; zurückgefunkt hatte, war plötzlich still geworden. "Ihm ist der Strom ausgegangen", hieß es bei der NASA, doch kürzlich fing der künstlich; Erdtrabant wieder an zu senden. Wie am ersten Tag kommen seine Meldungen über die Stärke und Richtung der magnetischen Feldlinien klar bei den Bodenstationen an. Vermutlich hat der Flugkörper jetzt wieder eine günstige Lage zur Sonne eingenommen, so daß sich seine Sonnenbatterien aufladen können.

Doch nicht nur wegen seines comebacks im Äther hat IMP I (Interplanetary Monitoring Platform) von sich reden gemacht. Die von dem Satelliten gelieferten Meßdaten sind mit magnetographischen Aufzeichnungen am Mount Wilson Observatorium verglichen worden, und dabei stellte sich heraus, daß das interplanetarische Magnetfeld in der Nähe der Erde mit einer Verzögerung von etwa viereinhalb Tagen die Schwankungen des magnetischen Feldes der Sonne mitmacht. Offenbar besteht also eine direkte Feldlinienverbindung zwischen Sonne und Erde, eine magnetische Brücke über eine Entfernung von rund 150 Millionen Kilometern.

Die von Dr. Norman F. Ness (NASA) und Dr John M. Wilcox (Universität Kalifornien) durchgeführte Auswertung der mit IMP und dem Mount Wilson Magnetographen ermittelten Meßergebnisse bestätigt die sogenannte Rasensprenger-Theorie. Hiernach bilden in der Bahnebene der Erde die magnetischen Feldlinien, die von der Sonne ausgehen, eine Archimedische Spirale, wie die Wasserstrahlen eines automatisch rotierenden Rasensprengers.

Die Theorie geht davon aus, daß der solare Magnetismus in den Strömen der Sonnenwinde eingefangen ist und mit ihnen in den Weltraum hinausgeschleudert wird. Diese Sonnenwinde bestehen aus ionisiertem Wasserstoffgas, das die Sonne mit großer Gewalt ausstößt und das ähnlichen physikalischen Gesetzen gehorcht wie die Wasserstrahlen, die ein sich drehender Rasensprenger verspritzt.

Von der Erde aus lassen sich die Veränderungen des Sonnenmagnetismus spektroskopisch feststellen, zum Beispiel seine in einem 27-Tage-Zvklus (Dauer eines Sonnentages) wechselnde Richtung. IMP mißt dann die gleichen Veränderungen ungefähr viereinhalb Tage später in der Ionosphäre, woraus sich die Geschwindigkeit der Sonnenwinde ergibt: vier- bis fünfhundert Kilometer pro Sekunde.

Für den Astrophysiker ist die Bestätigung der Rasensprengertheorie ein wichtiger Befund, denn damit wird eine weitere Wechselwirkung zwischen Sonne und Erde aufgedeckt. Da der solare Magnetismus in enger Beziehung zur Sonnenaktivität steht und diese sich wiederum auf der Erde bemerkbar macht, etwa als Funkstörung oder – höchstwahrscheinlich jedenfalls – wetterbeeinflussend, kommt dem Forschungsergebnis, über das die Professoren Ness und Wilcox in der Zeitschrift "Physical Review Letters (12. Oktober) berichten, auch praktische Bedeutung zu.

ow