Der Hochsommer 1964 werde in Deutschland wie auch im gesamten mitteleuropäischen Raum mehr Niederschläge als normal bringen; mit einem ausgesprochen heißen Sommer sei nicht zu rechnen: Dies prophezeite im Frühjahr Professor Franz Baur, Leiter der Forschungsstelle für Großwetterkunde in Bad Homburg. Wieweit ist die Vorhersage eingetroffen? In der "Umschau für Wissenschaft und Technik" übte Professor Baur jetzt Manöverkritik.

Die Prognose der Niederschlagsmenge stimmte nicht, stellte Baur fest. Die Monate Juli und Augustwaren in Deutschland durchschnittlich 34 Prozent trockener als normal.

Eingetroffen ist dagegen Baurs Temperaturprognose. Die Durchschnittstemperatur in Mitteleuropa war nur 3.3 Grad Celsius wärmer als normal. "Ausgesprochen heiß" war der Sommer demnach nicht, wie der Meteorologe prophezeit hatte.

Warum war die Prognose der Niederschläge, falsch? Schon bei der Vorhersage für den Sommer 1963 hatte Baur sich in den Niederschlägen verkalkuliert. Der Wetterforscher, der seine Vorhersagen nach der periodisch zu- und abnehmenden Zahl der Sonnenflecken orientiert und mit dieser Methode in früheren Jahren beachtliche Erfolge verzeichnen konnte, vermutet, daß ein Vulkanausbruch seine Berechnungen durchkreuzte.

Am 17. März 1963 wurden bei einem Ausbruch des Gunung Agung auf der Insel Bali gewaltige Mengen vulkanischer Asche in die hohen Atmosphärenschichten geschleudert. Baur glaubt, der feine Aschenstaub, der noch immer in der Höhe um die Erde wandert, habe beträchtliche Störungen der normalen Luftzirkulation ausgelöst und dadurch das Wetter beeinflußt. E. L.