Für die Diskussion um Moser ergeben sich aus den herangezogenen Texten sprachliche Argumente, die bisher von den Verteidigern Mosers nicht beachtet worden sind. Demgegenüber hat Harri Meier unter prinzipiellen philologischlinguistischen Gesichtspunkten bereits auf Entscheidendes hingewiesen. Doch es gibt wohl, gerade auch im Hinblick auf "unsere Sprache", noch manche Einzelheit, die bei näherer Analyse sich als exemplarisch erweisen könnte.

Moser spricht in seiner "Deutschen Sprachgeschichte" 1955 vom "Weltjudentum", das von "der Katastrophe des Zweiten, Weltkrieges" (?!) betroffen worden ist. Welche anderen deutschen Autoren haben jemals das Wort "Weltjudentum" gebraucht? Wer hat es überhaupt geprägt? Welche Vorstellungen verbinden sich damit, insbesondere bei einem, der die deutsche Sprachgeschichte seit den zwanziger Jahren miterlebt hat? Und nochmals insbesondere bei einem, der diese Sprachgeschichte historisch, wissenschaftlich darzustellen unternimmt?

Die betreffende Lieferung des Grimmschen Wörterbuchs, die zum Beispiel Weltgeschichte, Welthistorie, Weltjahrhundert enthält und nach 1950 erschienen ist, kennt das Wort nicht. Es steht also nicht in den für das Wörterbuch exzerpierten, im allgemeinen ja recht repräsentativen Texten. Es scheint daher auf eine besondere und wohl kaum eigentlich literarische Schicht beschränkt. Wir finden sie bei Hitler und seinen Propagandisten, dort ist vom "internationalen Börsenjudentum" die Rede, vom "Finanzjudentum", vom "Weltfinanzjudentum", Goebbels spricht vom "Weltjudentum", in einem NS-Buch von 1938 heißt es: "Bolschewismus ... hinter dem das triumphierende Weltjudentum als der alleinige Enteigner steht." Hier also, im speziellen nationalsozialistischen Hetzjargon, liegt wohl der Ursprung des Wortes, hier wird man, bei weiterem Suchen, sicher noch eine Fülle von Belegen finden.

Für jeden, der die Jahre des Nationalsozialismus bewußt miterlebt hat, ist dieses Wort wohl für immer geprägt vom Ungeist der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Wer sich nicht mehr selbst daran erinnert und wem auch seine spezielle "Muttersprache" es vorenthält, dem beweisen Quellen und Mittel der Sprachgeschichte seinen Ursprung und seine Prägung. Es gibt alte Wörter, die der Nationalsozialismus mißbraucht hat und die man versuchen kann, wieder in der alten Weise zu gebrauchen, wie etwa "betreuen" (ohne daß man das Wort deswegen besonders schön zu finden braucht). Aber hier in "Weltjudentum" liegt eine mit dem ganzen Grauen des nationalsozialistischen Judenmordes belastete Hetzprägung vor, die – wiederum als Sprach-