Alles sollte man dem Menschen opfern. Nur nicht den Menschen. Stanislaw Lec

Ballett an die Freude

Maurice Béjart hat wahrgemacht, was seine Freunde vor einiger Zeit noch für einen Scherz hielten: In Anwesenheit des belgischen Königspaars tanzte sein Ballett des Zwanzigsten Jahrhunderts in Brüssel die Ode an die Freude aus Beethovens Neunter Symphonie. Auf einen Schock hatte er es diesmal nicht abgesehen, seine Choreographie war eine respektvolle Huldigung an Beethoven, und so war die Begeisterung diesmal allgemein. Warum er gerade Beethoven gewählt habe, erklärte er auch: weil in seiner Musik eine Vitalität zu spüren sei, die die meist "langweilige und kraftlose" zeitgenössische Musik vermissen lasse.

Kurt Hirschfeld

Am 8. November ist Kurt Hirschfeld, der Direktor des Zürcher Schauspielhauses, im Alter von 62 Jahren gestorben. Als Regisseur debütierte er, der aus Leute bei Hannover stammte, 1930 in Darmstadt. Im Jahre 1933 emigrierte er nach Zürich, wo er, mit Ausnahme einer längeren Unterbrechung, bis kurz vor seinem Tode wirkte. Schon mit und unter seinem Vorgänger Oskar Wälterlin (nach dessen Tod er 1961 die Leitung des Schauspielhauses übernahm) baute er in Zürich ein glanzvolles Ensemble auf, zu dem auch politische Réfugiés aus Deutschland und Österreich gehörten. Hirschfeld, der für die Avantgarde nicht gerade auf die Barrikaden.stieg, war literarisch besonnen und kundig, nicht nur ein komödiantischer Theatermann. Er hatte in Frankfurt, Heidelberg und Göttingen studiert und war viele Jahre seines Lebens auch Dramaturg – und ein geschickter Verfechter seiner Anschauungen: ein Diskussionspartner von hohen Graden. Er fühlte sich nicht als unterwürfiger Befehlsempfänger der Stückeschreiber, sondern als ihr Gesprächs- und Verhandlungspartner: Selbst Dramatiker vom Range Dürrenmatts und Frischs profitierten davon.