P. S., Bonn

Die Bonner Stadtverwaltung sorgt sich um Betten, deren es in der provisorischen Bundeshauptstadt zu wenige gibt. Mit höflichem Bedauern teilen die Hotelportiers auf Anfragen mit, daß keine Zimmer mehr frei seien. Den Profit aus dem Bonner Bettenmangel zieht vor allem die Nachbarstadt Bad Godesberg. Kundige Tagungsteilnehmer und Touristen lassen sich im Rheinhotel Dreesen, im Park-Hotel oder im "Adler" der freundlichen Bäderstadt einschreiben, wenn die "drei Großen" in Bonn, der "Königshof", das "Stern-Hotel" und der "Bergische Hof‘, abgesagt haben.

Künftig aber sollen mehr Besucher Bonns auch in der Bundesmetropole selber wohnen. Das Amt für Wirtschaftsförderung, dessen aktiver Chef, Verwaltungsrat Ferdinand Krahé, vor den Konkurrenzbedenken des Hotelgewerbes keineswegs zurückschreckt, verhandelt zur Zeit mit auswärtigen Interessenten. Vier von ihnen bemühen sich bereits um Bauplätze in Bonn. Auch der Hilton-Konzern soll schon seine Fühler ausgestreckt haben. Noch sind attraktive Standorte zu vergeben – am Rhein, nahe dem neuen Stadttheater, und an der nach Bad Godesberg führenden Friedrich-Ebert-Allee. Auch Bonns Gegenüber, die hotelarme Industriestadt Beuel, könnte am anderen Rheinufer Platz anbieten.

Allerdings sind Bonns Wirtschaftsförderer an Hotels in Beuel nicht sonderlich interessiert. Obgleich Bonn mit Beuel durch die Rheinbrücke direkt verbunden ist und auch Bad Godesberg mit Bonn zusammengewachsen ist, hat doch jede Stadt ihren eigenen Steuersäckel, den sie füllen möchte. Da alle Projekte einer Gemeinde Groß-Bonn bislang gescheitert sind, bleibt der Wettbewerb um Hotels und Industrieansiedlungen nach wie vor im Schwung. Beuel ist mit Bonn, im Gegensatz zu Bad Godesberg, lediglich durch ein gemeinsames Telephonnetz und Ortsporto für Postsachen verbunden.

1370 Betten in fast 70 Hotels und Pensionen kann Bonn seinen Besuchern anbieten, wovon fast ein Drittel auf die drei größten Hotels entfällt. Viele Unterkünfte haben nur wenige und zum Teil unmoderne Zimmer; Baderaum oder Dusche sind rar. Dieser Umstand bewog auch Verwaltungsrat Krähe zu der Feststellung, daß in Bonn "steigender Bedarf an modernen Hotelbetten besteht, denn heute wollen die Gäste natürlich Komfort, stets mit Bad oder wenigstens Dusche." Das Amt für Wirtschaftsförderung registrierte vom 1. April 1963 bis zum 31. März 1964 immerhin 311 300 Übernachtungen in Bonn, darunter 98 805 von Ausländern, das sind rund 32 Prozent. An der Spitze der Bonner Nachtgäste rangieren die Amerikaner, gefolgt von den Engländern. An dritter und vierter Stelle stehen Afrikaner und Asiaten.

Mit den über 311 000 Übernachtungen waren die Bonner Herbergen im Jahresdurchschnitt zu 55,6 Prozent belegt – angeblich nicht genug für den einzelnen Betrieb. Die Rentabilitätsgrenze liegt bei 60 Prozent, der Bundesdurchschnitt aber bei 52 bis 53 Prozent. Das Bonner Gaststättengewerbe äußert sich zurückhaltend zu den neuen Projekten und klagt, daß die Pläne geheimgehalten würden. Vor allem möchten die ansäßigen Hoteliers verhindern, daß Neulingen durch Darlehen oder günstige Grundstücksverkäufe besonders gute Startbedingungen gewährt werden.

Doch beim Amt für Wirtschaftsförderung denkt man anders. Dort wird nämlich mit Unmut vermerkt, daß immer wieder Tagungen an andere Städte vergeben werden, weil es sich in der Bundesrepublik und sogar im Ausland herumgesprochen hat; in Bonn fehlt es an Betten, vor allem an "Komfort-Betten". Aus Gründen des lokalen Prestiges und aus finanziellen Erwägungen will Bonn unbedingt attraktiver werden. Der Vorsitzende des Bonner Gaststättengewerbes, Otto Schlepphorst, ist einsichtig genug und räumt ein, daß zumindest ein modernes Touristenhotel fehle.