R. B., Berlin, im November

Zweimal protestierte der Kontaktbeauftragte Ost, Reuther, bei seinen Gesprächen mit den Senatsvertretern gegen die Wechselstuben in Westberlin. In Wirklichkeit gibt es keine Wechselstuben mehr, nach dem Bau der Mauer sind sie überflüssig geworden. Die Ostberliner Kommunisten wollen vielmehr erreichen, daß die "Mark der Notenbank der Deutschen Demokratischen Republik" – so lautet nämlich der Titel der bisherigen DM-Ost – in Westberlin nicht mehr gehandelt wird.

Die Banken in der freien Marktwirtschaft Westberlins sollen veranlaßt werden, den Geldumtausch einzustellen. Der Grund zu dieser Forderung ist, daß die Ostberliner Behörden neuerdings eine Belebung des Ostmarkgeschäfts in Westberlin und auch einen Abfluß ihres Geldes zu beobachten glauben.

Es ist anzunehmen, daß die Rentner, die jetzt einmal im Jahr in den Westen reisen dürfen, trotz der Devisenbewirtschaftung in der DDR diese Ostmarkbeträge mitbringen. Die kommunistischen Behörden verwehrten ihnen die Möglichkeit, einen noch so geringen Betrag auf legale Weise in Westmark umzutauschen. Der Vorschlag des Westberliner Wirtschaftssenators, Professor Karl Schiller, man möchte die Bürger aus Mitteldeutschland doch mit einem Reisescheck im Werte von je hundert Mark versehen, blieb ohne Widerhall. Die Verrechnung dieser Beträge über den Interzonenhandel hätte die östliche Kaufkraft eingeschränkt.

Die Kommunisten lassen die "Menschen im Rentenalter", wie die amtliche Bezeichnung lautet, lieber ohne Geld über die Sektoren- oder Zonengrenze, schimpfen aber dafür gern über die Kontaktstellen des Westens, die den alten Leuten fünfzig Mark geben, und machen jetzt aus dem Ostgeldumtausch im Westen eine Kardinalfrage. Kommunistische Zeitungen veröffentlichten zuerst strenge Kommentare und nun auch Leserbriefe; all das macht den Eindruck, als ob die Frage des Geldumtauschs als krisenförderndes Element hochgespielt werden soll. Der Regierende Bürgermeister geht sogar soweit, zu vermuten, daß es vielleicht eine politische Gruppe innerhalb der SED gibt, die nun die "Wechselstubenfrage" als Kampfmittel gegen die "Politik der kleinen Schritte" benutzen will.